Lohn & Gehalt in der Zeitarbeit erklärt

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16.05.2022
Lesezeit: ~7 Min.

Für Zeitarbeitsfirmen zu arbeiten, ist mittlerweile keine Seltenheit mehr. Ganz im Gegenteil – immer mehr Arbeitskräfte wissen um die Vorteile der Zeitarbeit. In der Zeitarbeit werden kurz gesagt Arbeitskräfte an andere Firmen auf Zeit verliehen. Natürlich werden diese Zeitarbeiter auch bezahlt. Rund um das Thema „Gehalt Zeitarbeit“ gibt es einige Mythen und vor allem Vorurteile.

Sie sind schon in der Zeitarbeit tätig oder haben vor, für eine Zeitarbeitsfirma zu arbeiten? Wir erklären Ihnen, was es bezüglich Gehalt in der Zeitarbeit zu beachten gibt.

Arbeitnehmerüberlassung: Gehalt und Abrechnung Zeitarbeit

Eine Arbeitnehmerüberlassung (ANÜ) liegt dann vor, wenn Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer für einen gewissen Zeitraum an andere Arbeitgeber „verleihen“. Viel gängiger sind für eine ANÜ jedoch die Bezeichnungen Zeitarbeit oder Leiharbeit. Das Gehalt bekommen Zeitarbeiter weiterhin von ihrem Arbeitgeber – der Zeitarbeitsfirma – ausbezahlt und nicht von der entleihenden Firma. Die Abrechnung der Zeitarbeit liegt also ausschließlich beim Personaldienstleister.

Bezahlung Leiharbeiter: Gleicher Lohn für Leiharbeiter?

Wir beginnen mit dem Wichtigsten: Arbeitgeber müssen Zeitarbeitern gleich viel zahlen wie fest angestellten Mitarbeitern. Dieser rechtliche Grundsatz kann jedoch unter gewissen Umständen umgangen werden. Um von diesem Gleichstellungsgrundsatz abweichen und dadurch den Zeitarbeitern weniger bezahlen zu können, müssen gewisse Bedingungen erfüllt werden:

  • Es darf nicht länger als neun Monate bei Branchentarifverträgen, genauer gesagt fünfzehn Monate bei normalen Tarifverträgen dauern, bis das Gehalt angeglichen wird. Während dieser Zeit dürfen Arbeiter der Zeitarbeit jedoch ein geringeres Gehalt ausbezahlt bekommen.

  • Der Leiharbeiter darf innerhalb des letzten halben Jahres nicht im selben Unternehmen gearbeitet haben. Ansonsten gilt der Gleichstellungsgrundsatz sofort bei Wiedereinstellung.

Im Normalfall erhalten also Zeitarbeiter spätestens zum Zehnten, genauer gesagt 16. Monat der Beschäftigung in der gleichen Firma dasselbe Gehalt wie deren Festangestellte. Halten sich Unternehmen nicht daran, müssen sie mit hohen Strafen rechnen.

Werden Zeitarbeiter schlechter bezahlt?

Zeitarbeit = schlechte Bezahlung? Stimmt das also oder handelt es sich dabei um einen weitverbreiteten und sich hartnäckig haltenden Mythos? Vor allem in der Vergangenheit wurden Zeitarbeiter im Vergleich zu ihren Arbeitskollegen mit Festanstellung schlechter entlohnt – trotz den gleichen Tätigkeiten in der Firma. Dieser unfairen Tatsache wirkte jedoch die reformierte Rechtslage des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes im Jahr 2017 entgegen.

Ihr Gehalt in der Zeitarbeit – was gilt es zu beachten?

Als Zeitarbeiter haben Sie keine feste Arbeitsstelle und arbeiten unter Umständen in kurzer Zeit für mehrere Firmen. Sie erhalten Ihr Gehalt von der Zeitarbeitsfirma, bei der Sie unter Vertrag stehen. Wie hoch Ihr Lohn in der Zeitarbeit ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Auf diese gehen wir nun genauer ein, damit Sie wissen, worauf Sie konkret achten sollten. Sprechen Sie diese Themen auch unbedingt im Bewerbungsgespräch mit der Zeitarbeitsfirma an.

Stundenlohn Zeitarbeit: Mindestlohn in der Zeitarbeit

In Deutschland gilt seit dem 1. April 2021 ein Mindestlohn von 10,45 EUR pro Stunde. An diesen Betrag müssen sich demnach auch Zeitarbeitsfirmen halten. Funfact: Der gesetzliche Mindestlohn liegt deutlich unter dem vorgeschriebenen Gehalt der Entgeltgruppe I für eine ungelernte Hilfskraft. Daher können Sie damit rechnen, mehr als 10,45 EUR zu erhalten. Der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ e. V.) sowie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sehen ebenfalls den Tarifvertrag für ungelernte Hilfskräfte als Mindestlohn in der Zeitarbeit vor.

Wenn Sie weniger erhalten als die fest angestellten Mitarbeiter des Betriebs, in dem Sie eingesetzt sind, können Sie dagegen vorgehen. Aufgrund des Gleichstellungsgrundsatzes darf nämlich weder die Mindestlohngrenze noch das Gehalt von mit Ihnen vergleichbaren Arbeitern unterschritten werden.

Tarifverträge in der Zeitarbeit

Für Zeitarbeiter gibt es verschiedene Tarifverträge. Dazu gehören auch die Tarifverträge des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen. In diesem sind neun Entgeltgruppen enthalten. Je nach Ihrem Bildungsstand, Ihrer Ausbildung, Erfahrung, beruflicher Qualifikation und Art der Tätigkeit befinden Sie sich in einer dieser Entgeltgruppen. Wie oben bereits erklärt, startet die Bezahlung mit der Entgeltgruppe I für Hilfsarbeiter.

Kurz gesagt erhalten Sie umso mehr Gehalt, je höher die Anforderungen an Sie sind. Ihr Grundgehalt ergibt sich durch die Entgeltgruppe, in der Sie sich befinden. Sie haben unter anderem Anspruch auf Zulagen zu diesem Grundlohn, wenn Sie vorübergehend oder für einen längeren Zeitraum höherklassige Tätigkeiten ausführen. Ihre Entgeltgruppe ändert sich dadurch jedoch nicht.

Branchentarifverträge in der Zeitarbeit

Neben den oben genannten Tarifverträgen gibt es noch spezifische Branchentarifverträge, die für Sie gelten könnten. Diese gibt es beispielsweise in der Metallindustrie, Holzverarbeitung, Druckindustrie sowie Elektroindustrie. Die Branchentarifverträge sollen Ihr Zeitarbeitergehalt dem Gehalt von Festangestellten angleichen. Diese Angleichung des Gehalts nennt man Equal Pay. Konkret bedeutet das für Sie, dass Ihr Gehalt über einen gewissen Zeitraum monatlich gesteigert wird, bis Sie dasselbe verdienen wie Ihre fest angestellten Kollegen.

Der sogenannte Gleichstellungsgrundsatz regelt, dass nach spätestens neun Monaten der Lohn angeglichen sein muss, wenn Ihr Gehalt durch einen Branchentarifvertrag geregelt ist.

Kein Arbeitseinsatz = kein Lohn?

Im besten Fall haben Sie als Arbeitnehmer einen unbefristeten Arbeitsvertrag mit der Zeitarbeitsfirma. Das heißt, dass Sie zumindest das vereinbarte Grundgehalt weiterhin ausbezahlt bekommen, wenn Ihr Vertrag mit der Leiharbeitsfirma aufrecht ist. Der Personaldienstleister darf Sie übrigens auch nicht kündigen, wenn Sie gerade keinen Einsatzort haben, krankgeschrieben oder auch im Urlaub sind. Der gesetzliche Kündigungsschutz gilt natürlich auch in der Zeitarbeit.

Wenn momentan kein Arbeitseinsatz vorliegt, ist es häufig der Fall, dass Sie Ihre zuvor angesammelten Überstunden „abbummeln“ – falls vorhanden.

Überstunden in der Zeitarbeit

In der Branche der Zeitarbeit finden oft Arbeitszeitkonten Verwendung. In der Regel erfasst Ihr Personaldienstleister für Zeitarbeit Ihre Arbeitsstunden. Je nachdem, wie das Thema Überstunden in Ihrem Vertrag geregelt ist, können Sie eine bestimmte Anzahl an Überstunden anhäufen.

In manchen Fällen werden diese nach einer gewissen Zeit abgebaut, wenn es etwa gerade keinen Arbeitseinsatz gibt. In manchen Fällen werden Überstunden aber auch ausbezahlt. Schauen Sie daher regelmäßig auf Ihre Gehaltsabrechnung der Zeitarbeit, ob alle Ihre Überstunden korrekt erfasst werden.

Urlaubsgeld Zeitarbeit? Sonderzahlungen und Zuschläge in der Zeitarbeit

Die Tarifverträge enthalten ebenso Regelungen bezüglich Zuschlägen, wobei jeweils nur der höchste Zuschlag ausbezahlt wird, falls mehrere in Betracht kommen würden. Je nach Ihrer Tätigkeit könnten Sie etwa Anspruch auf Zuschläge für Nachtarbeit, Schichtdienst oder Arbeit an Feiertagen haben.

Auch kann es sein, dass Ihnen Fahrtengeld zusteht oder Übernachtungskosten übernommen werden müssen. Zu weiteren Sonderleistungen gehören das Urlaubs- sowie Weihnachtsgeld und ein 13. Gehalt.

Arbeitsverträge in der Zeitarbeit

Beachten Sie alle oben genannten Punkte, wenn es um Ihren persönlichen Arbeitsvertrag geht. Dieser enthält nämlich alle wesentlichen Informationen zu Ihrem Arbeitseinsatz. Sie schließen den Arbeitsvertrag mit Ihrer Zeitarbeitsfirma ab und NICHT mit der Firma, in der Sie auf Zeit arbeiten.

Wenn es also zu Problemen an Ihrem Arbeitsplatz kommen sollte, wenden Sie sich in der Regel an Ihren Personaldienstleister. Folgende Punkte sollten mindestens in Ihrem Arbeitsvertrag definiert sein:

  • Entgeltgruppe

  • Tarifvertrag

  • Stundenlohn

  • Zuschläge

  • Sonderzahlungen

  • Überstunden

  • Fahrtkosten, Übernachtungskosten

Heutzutage sind ausführliche Arbeitsverträge keine Seltenheit mehr, sondern eher der Standard. Sorgen Sie also dafür, dass Ihr Arbeitsvertrag Ihren Qualifikationen entsprechend verfasst ist und Ihre Interessen abdeckt.

Zeitarbeit statt Beschäftigungslosigkeit?

Zeitarbeit kann eine großartige Alternative zu Beschäftigungslosigkeit sein. So können Sie schnell wieder beruflichen Fuß fassen. Oft kommt Zeitarbeit zum Einsatz, um saisonale Beschäftigungslosigkeit zu überbrücken. Viele Arbeiter der Gastronomie sind beispielsweise nach der Hauptsaison für einen gewissen Zeitraum von ihrer Arbeit freigestellt, jedoch nicht gekündigt.

Während dieser zeitlichen Unterbrechung des Arbeitsvertrages dürfen die touristischen Angestellten oft laut Arbeitsvertrag nur in anderen Branchen tätig werden. Genau für diese Personen eignet sich Zeitarbeit perfekt, um einer temporären Beschäftigungslosigkeit aus dem Weg zu gehen.

Auch Langzeitarbeitslose können von Zeitarbeit profitieren. Sie beziehen dann nicht nur einen fairen Lohn, sondern sorgen gleichzeitig dafür, dass Ihre Rentenansprüche verbessert werden.

Die Zeitarbeit kann zudem ein perfekter Einstieg für junge Menschen in das Berufsleben sein, wenn sie noch nicht so genau wissen, wohin es sie beruflich verschlägt.

Chancen und Risiken in der Zeitarbeit

Gerade, wenn Sie jeweils nur für kurze Zeit in einem Unternehmen arbeiten, ist die schlechtere Bezahlung ein Punkt, der gegen Zeitarbeit spricht. Manche Unternehmen missbrauchen dieses Wissen, dass der Einstiegslohn für Zeitarbeit geringer ist als für Festangestellte. Einzelne schwarze Schafe nutzen daher Mitarbeiter der Zeitarbeit nicht nur, um personelle Engpässe zu überbrücken, sondern dauerhaft. Diesem Nachteil arbeiten Zeitarbeitsfirmen jedoch bereits oft entgegen, indem sie von Anfang an dasselbe Gehalt verhandeln, wie es fest angestellte Mitarbeiter erhalten.

In der Zeitarbeit können die Arbeitsstunden und die Dauer der Beschäftigung in einer Firma stark schwanken. Diese Unregelmäßigkeit empfinden manche Zeitarbeiter als negativ. Sehen Sie diese oft spontanen Einsätze besser als Chance. So haben Sie die Möglichkeit, verschiedene Unternehmen kennenzulernen. Oft ergeben sich dadurch sogar Angebote zur Festanstellung.

Manche Leiharbeiter bemängeln mangelnde soziale Kontakte und kollegiale Bindungen. Wenn Sie jeweils nur für eine kurze Dauer in einem Betrieb tätig sind, ist es natürlich schwierig, Kontakte zu knüpfen.

Auf jeden Fall müssen Sie ein gewisses Maß an Flexibilität aufweisen, um in der Zeitarbeit tätig werden zu können. Die Zeitarbeit reagiert nämlich auf den Bedarf des Arbeitsmarktes. Daher kann es sein, dass Sie aufgrund Ihrer Qualifikationen nicht in Ihrer Region eingesetzt werden, sondern sogar in anderen Bundesländern. Hier ist es wiederum so, dass das manche Zeitarbeiter schätzen, andere Städte kennenlernen zu können. Mit Familie schaut es schon wieder anders aus – nicht alle wollen den Großteil der Woche getrennt von ihren Liebsten verbringen.

Kurzer Überblick zur Zeitarbeit

Zusammenfassend finden Sie hier nun nochmals wichtige Punkte, die im Kontext der Zeitarbeit stehen.

  • Verfügen Sie über dieselben Qualifikationen wie die Stammbelegschaft, steht Ihnen spätestens nach einem gewissen Zeitraum das gleiche Gehalt zu.

  • Ihr Grundgehalt ist durch Tarifverträge beziehungsweise Branchentarifverträge geregelt.

  • Sie haben generell Anspruch auf Zuschläge und Sonderzahlungen (Bsp.: Schichtzuschlag, Zeitarbeit, Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld …).

  • Auch bei Krankheit, im Urlaub oder wenn Sie gerade nicht eingesetzt werden können, erhalten Sie Ihren Grundlohn als Zeitarbeiter.

Fazit – Lohn und Gehalt in der Zeitarbeit

Dass man in der Branche der Zeitarbeit weniger verdient, stimmt heutzutage zum Glück nicht mehr. Gesetzliche Vorgaben und Tarifverträge regeln ganz klar, was Ihnen zusteht. Persönliche Arbeitsverträge sorgen zusätzlich dafür, dass Ihre Interessen sowie Rechte und Pflichten schwarz auf weiß niedergeschrieben sind. Zeitarbeit ist nicht für jeden Arbeitnehmer etwas, kann aber in gewissen Lebenssituationen ebenso genau das Richtige sein.

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