Arbeitgeber-Bewertungsplattformen: Fluch oder Segen?

06.04.2017

Arbeitgeber-Bewertungsplattformen haben einen kontroversen Ruf. Zum einen bieten sie Mitarbeitern die Möglichkeit, ehemalige und aktuelle Arbeitgeber anonym zu bewerten. Auf der anderen Seite kann eben diese Anonymität auch zu Manipulation und damit Schaden führen. In diesem Blogpost beleuchten wir von Zeitarbeit24 das Thema genauer und setzen uns mit der Frage auseinander, was an den Plattformen verbessert werden muss um Rufschäden zu verhindern.

Arbeitgeber-Bewertungsplattformen kurz vorgestellt

Im Prinzip funktionieren Arbeitgeber-Bewertungsplattformen genauso wie ein Produkt-Review bei Amazon. Der Arbeitnehmer vergibt eine Bewertung (z.B von einer Skala von 1 bis 5) und beschreibt Vor- und Nachteile seiner Arbeitsstelle. Die Bewertungen werden dann zusammengerechnet um einen Durchschnitts-Score zu ergeben.

Bei Kununu.de sieht das so aus:

 

 

Das betroffene Unternehmen kann dann zudem noch unter zusätzlichen Kriterien bewertet werden:

Alles in allem hilft eine Plattform wie Kununu drei Zielgruppen:

  • gegenwärtige oder ehemalige Arbeitnehmer haben die Möglichkeit zu loben und zu kritisieren
  • zukünftige Arbeitnehmer können sie informieren ob der Arbeitgeber zu ihnen passt
  • Unternehmen bekommen Feedback über ihre Mitarbeiterzufriedenheit und können Schwachstellen aufdecken

Welche Bewertungsplattformen gibt es?

In diesem Artikel haben wir Kununu aufgrund seiner Popularität als Beispiel genommen. Mit ca. 1,5 Millionen Bewertungen über fast 300 000 Arbeitgeber und 5 Millionen Seitenaufrufen im Monat ist die Plattform Marktführer im deutschsprachigen Raum. Es folgen Wettbewerbern wie Jobvoting, Companize oder Glassdoor.

Unternehmensbewertungen finden sich auch auf Google Business und Yelp, allerdings handelt es sich dort hauptsächlich um Kundenmeinungen. Arbeitgeber-Bewertungsplattformen werden dagegen nur von gegenwärtigen oder ehemaligen Beschäftigten bewertet mit dem Fokus auf der Qualität des Arbeitgebers und nicht des angebotenen Produkts bzw. der Dienstleistung.

Die negativen Seiten

Mitarbeiter können anonym ihre ehrliche Meinungen über den Arbeitgeber kundtun. Soweit so gut. Doch leider hat diese Prinzip auch negative Seiten da die Portale nicht überprüfen können ob die Bewertungen auch tatsächlich von Mitarbeitern der bewerteten Unternehmen stammen. Zudem besteht die Möglichkeit, dass Bewertungen mit der Absicht abgegeben werden, Unternehmen zu schaden.

 

In einem sehr aufschlussreichen Blogpost berichtet das Schweizer Unternehmen Webrepublic von Fake-Bewertungen, die zu positiv formuliert waren und offensichtlich nicht von Mitarbeitern stammen können. Dies mag zunächst nach einem Luxus-Problem klingen, tatsächlich ist es jedoch so, dass zu viele überschwängliche Bewertungen unglaubwürdig wirken.

Webrepublic hat das Problem auf unkonventionelle Weise gelöst: Mitarbeiter bekommen eine Rubbelkarte, die einen Code verbirgt. Diesen Code müssen sie dann in der Bewertung mitangeben um sich als Mitarbeiter auszuweisen - anonym bleiben sie trotzdem.

Stellungnahmen sind möglich

Kununu bietet Unternehmen die Möglichkeit Stellung zu jeder Bewertung zu nehmen:

Zudem haben die Unternehmen die Möglichkeit, negative Bewertungen anzufechten. Dies kann allerdings auch dazu führen, dass eine Bewertung nur deswegen gelöscht wird, weil sie nicht bewiesen werden kann.

Egal wie man es dreht und wendet, es ist nicht möglich zu gewährleisten, dass die Bewertungen komplett authentisch sind. Dies liegt nicht nur in der Natur der Anonymität des Internets sondern auch in der Natur des Menschen und wie wir im Fazit deutlich machen sollte sich letztlich jeder seine eigene Meinung bilden.

Immerhin bietet Kununu Richtlinien über die Abgabe von Kommentaren. So wird ausdrücklich daraufhin gewiesen, dass nicht konkret Bezug auf bestimmte Personen im Unternehmen genommen werden soll. Auch auf eine respektvolle Ausdrucksweise wird Respekt gelegt. Nichtbeachtung führt zum Löschen der Bewertung.

Vor- und Nachteile im Überblick

Hier sind zusammenfassend die Vorteile von Arbeitgeber-Bewertungsplattformen

  • Arbeitsuchenden wird die Arbeitgebersuche erleichtert
  • Unternehmen bekommen Feedback und bekommen passendere Mitarbeiter
  • Unternehmen werden motiviert ihre Mitarbeiter fair zu behandeln

Und hier die Nachteile

  • Der Wahrheitsgehalt der Bewertungen kann nur sehr schwer überprüft werden
  • Bewertungen stammen nicht unbedingt von tatsächlichen Mitarbeitern
  • Unternehmen müssen meist dafür zahlen, Stellung nehmen zu können
  • Kann dazu führen, dass Mitarbeiter direkt ihre Meinung posten anstatt Probleme intern zu klären

Fazit

Arbeitgeber-Bewertungsportale sind an sich hilfreich und aufschlussreich aber müssen mit Vorsicht genossen werden. Besonders bei Arbeitgebern, die nicht viele Bewertungen haben, sollte der Arbeitssuchende nicht auf die Bewertungen vertrauen. Stattdessen lohnt es sich, ehemalige Mitarbeiter direkt ausfindig zu machen um authentischere Meinungen einzuholen.

Den besten Eindruck gewinnt man jedoch indem man das Gespräch mit dem Unternehmen selbst sucht und sich zum Vorstellungsgespräch einladen lässt. Dann kann man sich vom Bauchgefühl leiten lassen und sich vor Ort fragen: Ist dies eine Umgebung in der ich gerne arbeiten würde?  Schließlich ist der Arbeitsplatz der Ort an dem Sie sich einen Großteil Ihres Lebens aufhalten und dementsprechend bietet es sich an, sich bei der Auswahl nicht zu sehr auf die Meinungen anderer zu verlassen.

Wir empfehlen daher: Nutzen Sie die Plattformen wie Kununu um mögliche Arbeitgeber zu identifizieren und einzugrenzen, aber recherchieren Sie über den Rand des Internets hinaus. Nehmen Sie sich dann die Zeit für viele Vorstellungsgespräche und seien Sie sich stets bewusst was Ihre Kriterien für die Jobwahl sind.

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