Was bedeutet Erfolg?

16.08.2017

erfolg

Erfolg heißt für Sie etwas anderes als für Ihren Gegenüber.

Erfolg ist unterschiedlich für jeden Menschen. Erfolg ist deshalb individuell. Aber Ihr Bild von Erfolg kann beeinflusst sein. Ohne dass es Ihnen bewusst ist, können Idealvorstellungen in Ihren Kopf existieren. Nur bei näherer Betrachtung erkennen Sie ein solches Verständnis von Erfolg, das nicht Ihr eigenes ist.

Mit der Ausdauer einer dauerlaufenden Wassermühle arbeiten die modernen Medien mit psychologischen Reizen, die eine gewünschte Reaktion in Ihnen hervorrufen. Was Sie in den Medien als erfolgreich - in der Sache oder Person - verkauft sehen, ist im besten Fall ein Ausschnitt der Realität, im Normalfall aber Theater und kein Spiegelbild der Realität.

Erfolg in den Medien: Der Aufbau eines Fremdbedürfnisses

Erfolgreich sein wird beliebig verwendet. Das ist legitim, weil der Begriff nicht geschützt ist. Er ist aber auch nicht auf nur eine Perspektive beschränkt. Erfolg ist deshalb nicht (nur), wenn ein Mensch in die Kamera lächelt, seine Familie glücklich ist, seine Karriere in den gewünschten Bahnen läuft, er mit seinen Projekten und Unternehmen einen Platz im Markt gefunden hat oder gut aussieht.

Erfolg, wie er in den Medien gezeigt wird, hat die Absicht, ein Bedürfnis zu schaffen, das Ihnen nicht innewohnt. Sie sind der Schauende und sehen den zur Schau Gestellten, wenn es sich um eine Person handelt. Das Ergebnis ist eine zweischneidige Beziehung zum Abgebildeten, in der Sie zwar einen menschliche Nähe zu diesem aufbauen, Ihnen aber auch der Abstand zu ihm deutlich gemacht wird (in Form von Fähigkeiten, Wissen, Bekanntheit, Ansehen, Charakter oder Aussehen). Das Bedürfnis, dorthin zu kommen, wo der Abgebildete vom Medium positioniert wurde, wird damit in Ihnen ausgelöst.

Merken Sie sich: Wenn Sie etwas für sich als Erfolg anstreben oder verbuchen, achten Sie auf Ihr Erfolgsbild und woher es stammt. Ein Zerrbild kann Ihnen angewöhnt sein. Ihr wahres Bild sollte aber bereits in Ihnen wohnen, nur fehlt Ihnen womöglich der Zugang dazu. Medien haben ein Interesse daran, Zerrbilder zu schaffen, weil sie damit den Wunsch bedienen, von A nach B kommen zu wollen, nachdem sie Ihnen A als nicht mehr wünschenswert verkauft haben. Betrachten Sie mediale Aussagen also mit kritischem Blick, um nicht trickreich gegen eine andere Gesellschaftsschicht ausgespielt zu werden. Ihre Medienkompetenz und wachsame Aufmerksamkeit ist gefragt.

Sind Sie erfolgreich?

Erfolg ist das Ergebnis einer Anstrengung, die eine Person kontinuierlich vollzogen hat. Das Ergebnis ist das Ziel, das diese Person vorher definiert hat — idealerweise auch den Zeitraum, in dem dieses Ziel erreicht werden sollte. Ergo: Erfolg existiert, wenn es Anstrengung gibt, hört aber auf bzw. reduziert sich, wenn die Anstrengung weniger bzw. weniger kontinuierlich wird.

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Strengen Sie sich an, wird Ihnen Erfolg blühen.

Erfolg ist per dieser Definition also graduell zu sehen und nicht mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Erfolg ist die Antwort auf eine offene Frage. Aus diesem Grund gibt es eben auch Teilerfolge oder Etappenerfolge, wobei jeder Mensch Erfolg für sich selbst definiert, je nach seinen Erfolgskriterien.

Wer sagt, wann etwas erfolgreich ist?

Sie selbst, jemand anders oder eine Gruppe sagen, wenn etwas erfolgreich ist. Erfolg ist nicht fest definiert. Erfolg existiert nicht wie ein Baum. Erfolg ist nicht da und nicht weg. Erfolg wächst aber wie ein Baum, wenn Sie ihn nähren und er im Wettlauf und Zusammenarbeit („Kooperenz“) mit anderen Bäumen um den höchsten Wipfel kämpft.

Wann haben Sie Erfolg?

Erfolg beginnt mit einer Absichtserklärung für ein klar definiertes Ziel (Wer? Was? Wann?) und ist beendet, wenn alle Kriterien (Wenn…, dann…) erfüllt wurden. Das Ziel kann auch in Form einer Frage definiert sein, was in Problem- oder Suchphasen nützlich sein kann.

Damit wird klar, Erfolg ist einerseits keine Einbahnstraße, es gibt also nicht den einen Weg zum Erfolg (Gewinn, Ziel, Glück). Andererseits ist Erfolg vergänglich, weil Erfolg immer nur ein Schnappschuss des Moments ist, den Sie weiter ernähren (können) oder vergehen lassen, wenn Sie für die gewünschte Dauer erreicht haben, was Sie wollten.

Erfolg ist nicht beständig. Auf dem Gipfel Ihrer Karriere werden Sie erfahrungsgemäß nur einmal im Leben stehen. Das kann als maximaler Erfolg verstanden werden, weshalb sie vorher und nachher weniger erfolgreich waren. Entweder, weil Sie vorher ausgestiegen sind (Gesundheit, Unlust, soziale Umstände) oder Sie nach dem Erreichen des Gipfels kein Feuer mehr für das Thema entfachen können.

Zusammengefasst ist Erfolg temporär, auf einen bestimmten Bereich (Arbeitsfeld/Branche, Umgebung, soziale Kontext) bezogen und ohne eine kontinuierliche (gesunde) Ernährung der „Erfolgswelle“ nicht haltbar.

Wann haben Sie keinen Erfolg?

Absolut keinen Erfolg haben Sie, wenn Sie nicht erfolgreich sein wollen, wenn Ihre Absicht, Erfolg zu haben, nicht existiert. Einfach so können Sie keinen Erfolg haben, es sei denn Sie haben insgeheim für sich Kriterien dafür gesetzt. Mit Nichtstun erfolgreich sein, ist daher ein Produkt des Zusammentreffens von Umständen, die für Sie und niemanden in Ihren Kreisen vorhersehbar waren. Erfolg haben Sie auch dann nicht, wenn Sie kein Ziel definiert und keine Anstrengung vollzogen haben.


Ihr Erfolg hält nur an, wenn Sie sich selbst bemühen oder Ihre Helfer es für Sie tun.

Ihr Erfolg stellt sich auch ein, wenn Sie keine Systeme etabliert haben, die Ihre Erfolgswelle ernähren. Wenn Sie Mitarbeiter oder freiwillige Helfer haben, übernehmen diese Ihre Anstrengung, damit Sie persönlich woanders wirksam werden können. Ihr Helfer tragen Sie auf der Welle, verstärken sie sogar in ihrer Höhe und Wucht. Ihr Erfolg ist dann passé, wenn es Ihnen nicht mehr gelingt, Ihre Helfer (und nicht mehr nur das System per se) nähren zu können. Das bedeutet für Sie als Mitarbeiter, das ein Team führt:

  • Motivation Ihrer Kollegen,
  • Attraktive Arbeitsplatzgestaltung,
  • Freiraum bei der Ausübung der Arbeit (solange Ihr Mitarbeiter zum Ziel kommt),
  • und die Schaffung einer Arbeitsatmosphäre, die dazu ermutigt, unternehmerisch und selbstverantwortlich zu handeln.

Jeder Mitarbeiter sollte sich so fühlen, als wäre selbst Chef der Firma.

Erfolg ist für jeden anders

Was Sie als Erfolg verbuchen, muss kein Erfolg für andere sein. Andersherum muss, was andere als erfolgreich sehen, für Sie nicht Erfolg bedeuten. Wenn Sie also (gemäß Ihrer Kriterien) noch keinen Erfolg für sich erreicht haben, können Sie ohne schlechtes Gewissen die Stimmen anderer, die sagen, dass Sie erfolgreich seien, nicht weiter beachten. Erfolg können Sie auch gar nicht definieren wollen, wie Sie mögen.

Wenn Sie jedoch Erfolg definieren wollen, aber noch nicht gemacht haben, können andere es für Sie tun. Das können Sie annehmen, ablehnen, ignorieren oder aufnehmen und für sich adaptieren, bis Sie fühlen, dass diese Kriterien für Sie Erfolg ausmachen.

Insofern ist Erfolg auch ein schwieriges Wort, das in der Gesellschaft gerne auf Ja/Nein vereinfach wird, aber dem echten „erfolgreichen“ Leben nicht gerecht wird.

Gibt es objektiven Erfolg?

Ja und Nein. Objektiv bedeutet, dass etwas unabhängig von einem Subjekt und seinem Bewusstsein existiert. Wenn also nur Sie selbst etwas sehen, das andere nicht sehen, ist Ihre Wahrnehmung subjektiv. Objektiven Erfolg gäbe es dann nicht.

Sähen auch Ihre Mitmenschen etwas, worauf Sie sich einigen könnten, was es wäre, würde es sich um etwas Objektives handeln (es sei denn, eine Manipulation Vieler durch einen Dritten läge vor). Objektiv ist also das, was tatsächlich existiert. Wenn eine größere Menge von Menschen sich einig wäre, welche Kriterien erforderlich seien, dass etwas erfolgreich ist und diesen Kriterien für eine Angelegenheit als gegeben sähen, dann
würde objektiver Erfolg vorliegen.

Der Weg zu Erfolg ist weder linear noch wiederholbar

Erfolg ist folglich dann objektiv, wenn er mit rationalen und bewussten Kriterien, die nicht von Gefühlen oder Vorurteilen geprägt sind, messbar ist. Der Weg zum Erfolg muss aber nicht frei von Gefühlen oder Vorurteilen sein, weshalb der Weg zum Ziel (Erfolg) auch individuell verschieden und deshalb in der Regel auch nicht wiederholbar ist. Ein gegangener Weg, der zum Ziel führte, kann nicht ohne Weiteres wieder gegangen werden, um zum gleichen Erfolg zu kommen. Wäre das so, würde Erfolg beliebig reproduzierbar sein und damit Jeden zum erfolgreichen Menschen machen können. Damit wäre der Reiz von Erfolg verloren, weil Erfolg auch als Erlösung vom Leid der kontinuierlichen Anstrengung oder Pause (Urlaub, Wochenende, Zeit für die Familie) verstanden werden kann.


Welchen Weg zum Ziel Sie wählen, entscheiden Sie selbst.

In gewisser Weise greift hier das Motto „Der Zweck heiligt alle Mittel“, was die Vielfältigkeit der Weggestaltung angeht. Die Aussage ist aber mit Vorsicht zu gebrauchen, den nicht jedes Mittel ist recht, wenn Sie z. B. anderen Leid zuführen, Ungerechtigkeiten und Gewalt unterstützen oder begünstigen bzw. gegen geltendes Recht verstoßen.

Gibt es subjektiven Erfolg?

Ja, wenn Sie denken bzw. davon überzeugt sind, dass Sie Erfolg haben. Dabei müssen Sie weder Kriterien definiert noch eine (kontinuierliche) Anstrengung vollzogen haben oder einen bestimmten (Leidens-)Weg gegangen sein.

Sie können sich kraft Ihrer Eigenständigkeit als Individuum subjektiv als erfolgreich erklären. Niemand kann Ihnen das widerspenstig machen oder ausreden. Wenn Ihrer Ansicht etwas erfolgreich war, dann können Sie das so sagen. Ob es objektiv so stimmt, ist ein anderes Thema.

Ist Erfolg erstrebenswert oder nur eine Worthülse?

Je nachdem wie Sie Erfolg für sich definieren, ist Erfolg erstrebenswert oder nicht. Erfolg kann heißen, dass Sie bestimmte Dinge nicht tun und verzichten. Erfolg kann bedeuten, dass Ihr Leben auf einer bestimmten Gleise läuft, die nur den Weg nach vorne kennt. Erfolg kann meinen, dass Sie in verschiedenen Zügen sitzen: in einem Zug sind Sie der Fahrzeugführer, in anderen Zügen die Bedienung der Reisenden, der Techniker, Feuerwehrmann oder einfach der Reisende selbst.

Erfolg unterliegt aber der Gefahr, wie jeder viel genutzte Begriff, im inflationären Gebrauch an Griffigkeit und Bedeutung zu verlieren. Gebrauchen Sie „Erfolg“ also weise oder nutzen Sie Alternativen wie „Ziel erreicht“, „Herausforderung geschafft“, „Wettkampf gemeistert“ oder „Hürden übersprungen“.

Erfolg definieren Sie, auch wenn es objektiven Erfolg gibt, immer für sich selbst, denn nur wenn Sie Erfolg auch in Ihr Leben lassen, kann es eine Rolle spielen. Wenn Sie Erfolg aber keinen Raum geben, heißt es nicht, dass Sie dennoch nicht erfolgreich sind, denn wie und ob Sie erfolgreich sind, kann auch ohne Ihr Wissen oder Zutun von anderen für Sie bestimmt werden. Ob Sie diese (Fremd-)Bestimmung für sich annehmen, entscheiden Sie selbst. Erfolg ist also auch ein Ausdruck von Souveränität und Bewusstsein.

Etwas Gewünschtes ist eingetroffen? Das ist ein Erfolg.

Ein Erfolg kann auch implizit eintreten, ohne dass Sie ein Ziel vorher definiert haben. Das ist im Krankheitsfall so. In Regel wünscht sich niemand, krank zu sein. Das Ziel, wieder gesund zu sein, müssen Sie also nicht ausdrücklich. Ferner wollen Sie zeitlich gesehen auch so schnell wie möglich wieder gesund werden. Der Erfolg tritt also dann ein, wenn Sie einen Zustand, den Sie als ungewünscht betrachten (Krankheit), nicht mehr haben (Gesundheit). Auch wenn Sie die Absichtserklärung und die zeitliche Dimension (Dauer) nicht direkt ausdrücken müssen, bedarf es beim Wechsel zum gewünschten Zustand einer kontinuierlichen Anstrengung.


Erfolg zu haben ist erstrebenswert, weil es so schwer ist.

Insofern sind die andauernde Anstrengung und das Eintreten des gewünschten Zustands die Schlüsselkomponenten für Erfolg, wenn es um Ziele geht, die dem gesunden Menschenverstand folgen. Für alle anderen Bereiche des Lebens und der Arbeit ist Erfolg einfach gesagt das genau das eintritt, was Sie vorher definiert haben, nachdem Sie sich genug Mühe gemacht hatten und am Ball blieben.

Fragen Sie sich insgeheim: Was war Ihr letzter Erfolg, also wann konnten Sie ein gewünschten Zustand erreichen? Sie sehen, wenn man einen scheinbar aufgeblasenen Begriff wie Erfolg auf den Boden herunterholt, bedeutet er auf einmal etwas ganz Einfaches: etwas ganz besonders wollen, tun, was dafür nötig ist und es schließlich erreichen. Das bedeutet Erfolg.

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