Souverän die Branche wechseln (Teil 2: Richtig bewerben)

25.08.2017
Optimistisch sein und Lust auf Herausforderungen lassen Sie federleicht in Druckzeiten erscheinen

Glückwunsch! Sie haben den Entschluss gefasst, die Branche zu wechseln. Sie sind in sich gegangen, haben sich Ihren Ängsten gestellt und sie überwunden. Die erste Hürde ist geschafft, weil Sie verstanden haben, dass der Wechsel im Kopf beginnt. Ihre alten Kollegen wissen Bescheid, mit Ihrem Chef hatten Sie das Kündigungsgespräch und nun nutzen Sie die letzten Wochen in der Firma, um offene Arbeiten zu beenden bzw. anständig zu übergeben.

Nach dem Arbeitstag kümmern Sie sich um den zweiten Schritt in die neue Branche: die Selbstvermarktung innerhalb Ihres Netzwerks, Branchenrecherche, Firmenrecherche und der Kontakt zu Firmen gefolgt vom abschließenden Bewerbungsgespräch.

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  1. Vor dem Bewerbungsgespräch
  2. Während des Bewerbungsgesprächs
  3. Nach dem Bewerbungsgespräch

Ihr Ziel ist das erfolgreiche Bewerbungsgespräch!

Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass Sie Ihr Ziel dann erreichen, wenn Sie es ganz am Anfang für sich definieren. Das funktioniert in vielen Bereichen des Lebens, weil Sie mit einem Ziel vor Augen wissen, wo Sie hinwollen und auch Schritte unternehmen, die Ihnen weniger angenehm erscheinen werden. Vor allem überlegen Sie sich die nötigen Maßnahmen, um das Ziel zu erreichen. Damit kommen Sie sehr systematisch an Ihr Wunschziel. Abweichungen von der Route nehmen Sie in Kauf, weil Sie wissen, dass Dinge trotz aller Vorbereitung nicht immer laufen, wie Sie es wollen. Die einzige Konstante auf Ihrem Weg bleibt das Ziel, die Wegpunkte dorthin sind aber variabel.

Bei der Zielsetzung sind Sie am besten ambitioniert. Deshalb lautet Ihr Idealziel: Das erfolgreich durchgeführte Bewerbungsgespräch bei meiner Wunschfirma in meiner Traumbranche, das zu einer Position führt, die Ihren Fähigkeiten entspricht und gleichzeitig herausfordernd ist.

Der Vorteil an einer Idealzielsetzung liegt auf der Hand. Setzen Sie sich hohe Ziele, mobilisieren Sie Kräfte, die Ihnen vorher womöglich nicht bekannt waren und wachsen potenziell über sich hinaus. Auch wenn Sie Ihr Idealziel nicht erreichen werden, werden Sie deutlich über das Minimalziel (eine passable Position in Ihrer Wunschbranche bei einer Firma, die Ihnen halbwegs zusagt) hinausgeschossen sein.

Als Branchenwechsler wissen Sie aber, dass Minimalziele Ihnen nicht dienlich sind. Sonst hätten Sie auch in der Branche Ihres alten Arbeitgebers bleiben können. Also packen Sie’s an und setzen Sie die Reise fort! Wohin es geht, wissen Sie ja bereits.

Vor dem Bewerbungsgespräch

Gute Vorbereitung ist die Basis für Erfolg. Ihr Ziel haben Sie definiert, nun tun Sie alles Nötige, bevor Sie die Bewerbungsgespräche führen. Sie präsentieren sich als auf dem Arbeitsmarkt verfügbar, bieten sich an und suchen gleichzeitig nach passenden Firmen in Ihrer Wunschbranche.

Am Anfang steht die Selbstvermarktung

In der Bewerbungsphase recherchieren Sie viel (wie nachfolgend erläutert), zeigen sich aber auch viel, um gefunden zu werden. Dazu zählt auch jedes öffentliche Profil, das Sie im Internet für berufliche Zwecke nutzen können. Je nachdem wie Sie online präsent sind, hilft Ihnen im deutschsprachigen Raum ein klares und freundliches Profil bei XING sowie eine überzeugende Präsenz bei Facebook und Twitter. Diese sind besonders dann hilfreich, wenn Sie online sehr gut auf diesen Plattformen vernetzt sind. Ihr Wechselwunsch kann aber auch der Startschuss dafür sein, sich online stärker zu engagieren oder sich mit Ihren Kontakten, die Sie schon persönlich kennen, auch online zu vernetzen.

Vergewissern Sie sich, dass Ihre Einstellung stimmt: Sie haben etwas zu bieten, z. B. fachliches und interdisziplinäres Know-how sowie soziale Kompetenz, und möchte es mit Ihren neuem Arbeitgeber und Chef teilen. Mit diesem Selbstbewusstsein verfallen Sie auch nicht in eine Position, in der Sie darum bitten, eingestellt zu werden, sondern finden eine Firma, die zu Ihnen passt.

Verwechseln Sie Selbstbewusstsein nicht mit Arroganz, ganz im Gegenteil. Ihrem künftigen Arbeitgeber und Ihnen selbst ist am besten geholfen, wenn was Sie gut können und gerne machen mit dem Bedarf der Firma (in der jeweiligen Position) übereinstimmt. Je klarer Ihr Können und Selbstbild mit Ihrem Firmenwunsch (und Branchenwunsch) übereinstimmt, umso einfacher wird Ihnen die Vermarktung Ihres Könnens und Ihrer Person fallen. Im Idealfall bringen Sie diese Deckungsgleichheit von Soll (Bedarf der Firma und Unternehmenskultur) und Ist (Ihre Fähigkeiten und persönlichen Neigungen) in Ihrer Selbstvermarktung klar zum Ausdruck. Je mehr sich beide Realitäten decken, umso größer wird der Erfolg in Ihrer Wunschfirma der neuen Branche.

Recherche

Die Suche nach der richtigen Stelle ist müßig und langwierig. Mithilfe unserer Jobsuche finden Sie in kurzer Zeit aus mehreren tausend Jobangeboten die für Sie passende Stelle. Durch unsere Spezialisierung auf Jobs in der Zeitarbeit finden Sie in verschiedenen Branchen nach Postleitzahl oder Bundesland sortiert aktuelle und seriöse Angebote.

Wenn Sie auch woanders (Zeitungen, Fachmagazine, Jobportale, Jobmessen) nach Stellenangeboten Ausschau halten, achten Sie darauf, früh zu filtern. Auch wenn Ihre zentralen Fragen („Passen meine Fähigkeiten zur Stelle? Wenn ja, wie und wo kann ich mich bewerben?“) bei der Sichtung neuer Jobangebote für Sie an erster Stelle stehen, kann die Ausschreibung auch auf die Unternehmenskultur und Wertschätzung der Mitarbeiter hinweisen. Achten Sie also auf Formulierungen bzw. Aussagen, die eine solche Sprache sprechen. Damit vermeiden Sie frühzeitig einen Flop und bekommen eher den Job in der Branche, die Sie sich idealerweise vorstellen.

Branchenrecherche

Darüber hinaus empfehlen wir Ihnen, sich über die Branche zu informieren. Es gibt hier keinen allgemeinen Ansatz, weil es viele Branchen bzw. Berufsfelder gibt. Anhand unserer Jobsuche finden Sie eine erste Orientierung, welche Branchen für Sie interessant sein können. Der Einfachheit halber finde Sie im Folgenden eine Auflistung der uns bekannten Berufsgruppen, die Sie gerne als Startpunkt für Ihre Online- oder Offline-Recherche nutzen können:

  • Banken, Versicherungen, Immobilien
  • Bauwesen, Architektur, Vermessung
  • Bergbau, Steine, Erden, Glas, Keramik
  • Büro, Wirtschaft, Verwaltung
  • Chemie, Biologie, Pharmazie, Physik
  • Elektro
  • Gastgewerbe, Tourismus
  • Gesellschafts-, Geisteswissenschaften
  • Gesundheit, Medizin, Pflege, Sport
  • Gewerbliche Berufe
  • Handel, Vertrieb, Verkauf
  • Hilfstätigkeiten
  • Holz, Papier, Kunststoff
  • IT, DV, Computer, Mathematik
  • Landwirtschaft, Natur, Umwelt
  • Management, Beratung
  • Marketing, Werbung, Public Relations
  • Medien, Kunst, Kultur, Gestaltung
  • Metall, Maschinen- und Fahrzeugbau
  • Nahrungs- und Genussmittel
  • Personaldienstleistung
  • Recht, Steuern, Finanzen, Controlling
  • Sonstige Dienstleistungen
  • Soziales, Pädagogik
  • Textil, Bekleidung, Leder
  • Verkehr, Lager, Logistik

Firmenrecherche

Auch eine spezielle Recherche zur Firma sollten Sie vor der ersten Kontaktaufnahme (nachfolgend erklärt) durchführen. Dabei ist zu beachten, dass Sie wissen, was Sie mit einer Bewerbung wirklich tun: Es geht nicht so sehr um Sie als Person, sondern darum, wie Sie der Firma (Ihrem künftigen Arbeitgeber) dienlich sein können. Dass Sie menschlich in die Firma passen, ist aber eine weitere wichtige Bedingung, um auch langfristig an Bord zu sein.

Kontaktaufnahme zur Wunschfirma

Der direkte Draht zur Wunschfirma kann schwierig sein, wenn Sie dort keinen direkten Ansprechpartner haben oder jemanden kennen, der jemanden kennt. Vor allem größere Firmen bieten eigene Bewerbungsplattformen an, auf denen Sie systematisch, aber eher unpersönlich, Ihre Bewerberdaten eingeben. Wenn Ihr Werdegang und Lebenslauf für sich sprechen, ist dieser automatisierte Prozess auch kein Problem. Im Falle von erklärungsbedürftigen Bewerbungen, die z. B. bei „Lücken“ im Lebenslauf entstehen können, kann es schon schwieriger werden.

Selbst proaktiv werden

Finden Sie deshalb aus Ihrer Eigeninitiative heraus einen direkten Ansprechpartner. Dabei hilft Ihnen die vorangegangene Branchenrecherche und der damit verbundene relativ gute Einblick, wie es dort läuft. Im Zuge der Firmenrecherche haben Sie sich anschließend Ihre Top 10 möglicher neuer Arbeitgeber ausgesucht. Super!

Ihr Draht zur Wunschfirma ist der erste Schritt, bleiben Sie am Ball

Ihr Draht zur Wunschfirma ist der erste Schritt, bleiben Sie am Ball

Sie können nun dem von der Firma vorgegebenen Bewerbungsweg folgen. Wenn Sie aber sichergehen wollen, dass Sie in dem Bewerberstrom nicht als eine(r) von vielen untergehen, tun Sie, was andere nicht tun: Statt sich nur per E-Mail oder Online-Formular zu bewerben, gehen Sie zur Firma, suchen Sie das persönliche Gespräch vor Ort und den anschließenden Handschlag. Nennen Sie deutlich Ihren Namen, hinterlassen Sie einen guten Eindruck und verweisen Sie auf Ihre erfolgte Bewerbung. Damit zeigen Sie, dass Sie die Prozesse der Firma respektieren, aber sich auch nicht vor der Extra-Meile scheuen.

Mehr und es anders als andere zu tun, heißt auch, andere Ergebnisse einzufahren. Zudem verläuft ein persönliches Gespräch laut einer aktuellen Studie, die im „Journal of Experimental Social Psychology“ erschien, 34 Mal erfolgreicher als eine per E-Mail gesendete Anfrage. Unterschätzen Sie trotz aller digitalen Möglichkeiten nie den persönlichen Kontakt.

Höhere Chancen bei kleineren Unternehmen

Bei kleineren und mittleren Firmen sich zu bewerben, kann reizvoll für Sie sein. Besonders dann, wenn Sie Ihre Persönlichkeit in die Bewerbung einbringen können, z. B. Mit einer E-Mail an einen direkten Ansprechpartner in der Firma. Der Vorteil: Sie beginnen das Gespräch mit dem Wissen, wem Sie genau schreiben. Ein wenig Vor-Recherche zu diesem Ansprechpartner kann dabei nützlich sein.

Teilweise verzichten kleine Unternehmen (mit bis zu 10 Mitarbeitern) gänzlich auf eine formelle Bewerbung. Sie wollen kein Anschreiben und Lebenslauf von Ihnen, sondern u. a. Antworten auf folgende Fragen:

  • Was motiviert Sie? Was treibt Sie an?
  • Was ist Ihnen wichtig im Leben?
  • Was macht Sie (über gute Arbeitsmoral und eine angenehme zwischenmenschliche Kommunikation) hinaus aus?
  • Was haben Sie schon eigenständig gemacht, organisiert oder auf die Beine gestellt?
  • Warum meinen Sie, dass Sie gut zum Team und dem Unternehmen passen?
  • Was haben Sie eventuell für Fragen an uns oder möchten Sie uns mitteilen?

In diesem Beispiel würde es sich um eine kurze Bewerbung per E-Mail handeln, die ohne Bewerbungsmappe auskommt. Sie würde auch wegen des eher informellen Charakters einer E-Mail einem Gespräch auf Augenhöhe gleichen.

Aus den Fragen ist zu erkennen: Für diesen Arbeitgeber spielt Ihr Antrieb sowie Ihre Werte und Prioritäten im Leben eine wichtige Rolle. Was Sie besonders auszeichnet und Sie bereits getan haben, möchte dieser Arbeitgeber ebenfalls wissen. Die Antworten auf beide Fragen finden sich normalerweise in Ihrem Anschreiben und Lebenslauf. Diese können Sie als Vorlage für die Antworten per E-Mail natürlich gerne nutzen.

Die vorletzte Frage geht auf die zuvor angesprochene Deckungsgleichheit mit der Firma (und Position) ein. Aus der letzten Frage möchte der Arbeitgeber aus Ihnen herauskitzeln, wie viel Interesse Sie wirklich an der Firma und der ausgeschriebenen Position haben.

Kleinere Firmen und Familienunternehmen glänzen mit einem größeren Wohlfühlfaktor

 

Alle Fragen machen deutlich, dass Sie mit abgedroschenen Phrasen und Floskeln à la „Ich bin teamfähig“ nicht weit kommen und keinen Arbeitgeber von heute groß beeindrucken werden. Stattdessen werden sich ehrliche und glaubhafte Antworten durchsetzen. So wie Sie in keiner Beziehung dem Gegenüber etwas vorspielen möchten, liegt es auch in Ihrem eigenen Interesse, in der Beziehung zu Ihrem künftigen Arbeitgeber von Beginn an aufrichtig zu sein. Sie werden dasselbe ernten.

Worauf Personaler in großen Firman achten

In größeren Unternehmen geht es naturgemäß etwas formeller zur Sache. Das gilt auch für die Bewerbung, weil sich oft mehrere Hunderte auf eine Stelle bewerben.

Damit Sie nicht beim ersten Sichten Ihrer Bewerbung ausgefiltert werden, berücksichtigen Sie folgende Punkte, denn das verlangen Personaler, wenn Sie Bewerbungen durchgehen, vor allem in größeren Unternehmen:

  • Keine Rechtschreibfehler.
  • Vollständige Unterlagen in der gewünschten Form.
  • Korrekte Namen des Ansprechpartners und der Firma.
  • Kürze: Personaler nehmen sich nur wenige Minuten Zeit.
  • Genau und treffend: Drücken Sie sich präzise aus und auf die Firma und die jeweilige Position zutreffend.
  • Lebenslauf nur mit job- bzw. branchenrelevanten Meilensteinen.
  • Überzeugendes Anschreiben: individuell, authentisch sowie kurz und knapp auf den Punkt (auf einer A4-Seite), kein Copy-Paste.
  • Sie müssen die Soll-Anforderungen der Ausschreibung erfüllen (idealerweise auch Teile der Kann-Anforderungen).
  • Zusätzlich zur Textbewerbung ein kurzes Vorstellungsvideo oder ein Link zu Ihrem Blog, wenn diese Medien Ihre Bewerbung sinnvoll und jobrelevant ergänzen. Personaler schauen sich aber auch selbstständig Ihre Profile im Internet an.

Wenn Sie sich in Ihrer Bewerbung so präsentieren, wie Sie wirklich sind und das auch im Netz so zeigen, haben Sie wirklich nichts zu befürchten. Nichts wäre schlimmer, wenn Sie vorgäben etwas oder jemand zu sein und dann die Stelle nicht zu bekommen. Genau dann würden Sie sich immer die Frage stellen: „Was wäre passiert, wenn ich ich selbst gewesen wäre?“ Dieses Reuegefühl wollen Sie nicht mit sich herumtragen.

Werden Branchenfremde überhaupt zugelassen?

Als Quereinsteiger in einer neuen Branche zu beginnen, ist prinzipiell kein Problem, wenn Sie sich der Hürden bewusst sind. Sie werden mit Fragen konfrontiert, die vor allem dem „Warum?“ nachgehen. Schließlich haben Sie in der neuen Branche kein spezifisches Wissen und auch (noch) kein Netzwerk. Wenn Sie sich dann erklären, erfinden Sie keine Gründe und rechtfertigen Sie sich nicht. Legen Sie die wahren Ursachen für den Branchenwechsel dar, auch wenn Sie bereits mehrere Wechsel absolviert haben. Ehrlichkeit siegt.

Welche Eigenschaften müssen Branchenfremde mitbringen?

Als branchenfremder Quereinsteiger sind Sie zwar neu in der Branche, aber nicht unwissend oder hilflos. Sie haben bereits in mindestens einer anderen Branche gearbeitet und dort Berufserfahrung gesammelt. Da ein Wechsel in die neue Branche ein größerer Schritt als beispielsweise der Wechsel innerhalb eines Unternehmens ist, sollten Sie immer Durchhaltevermögen, Lernbereitschaft und Motivation mitbringen. Diese Eigenschaften zahlen sich aus, wenn die Jobsuche sich langwierig gestaltet oder Sie sich bereits im neuen Job befinden und noch gewisse fachliche Defizite ausgleichen müssen.

In jedem Fall trumpfen Sie mit Berufserfahrung, Ausbildung, Studium und weiteren Vorkenntnissen und Qualifikationen auf. Das hebt Sie ab von in der Branche ausgebildeten Bewerbern, weil Sie bereits andere Ufer gesehen haben und darin eingetaucht sind. Sie kennen schon Prozesse anderer Branchen und können dieses Wissen nun auf Ihre neue Branche anwenden. Der Einblick in die Arbeitswelt ist als Branchenwechsler umfassender und Ihre Fähigkeit, quer zu denken, wird Ihnen definitiv in die Karten spielen.

Helfen persönliche Interessen beim Branchenwechsel?

Ja, aber es hängt davon ab, welche Interessen es sind. Ihre Interessen sollten sich mit dem decken, was Sie in der neuen Branche Ihres künftigen Arbeitgebers tun werden. In der Annahme, dass Sie den Branchenwechsel in eigener Hand haben, finden Sie durch die Branchenrecherche (Internet, Freunde, Bekannte, Kollegen) heraus, inwiefern Sie mit Ihren beruflichen Interessen dort einen Platz finden würden. Wenn Ihnen nicht klar ist, was Sie wirklich interessiert, empfehlen wir Ihnen, sich zunächst einen Kopf zu machen und sich Zeit dafür zu nehmen.

Während des Bewerbungsgesprächs

Ihre Bewerbung fand Anklang bei Ihrer Wunschfirma. Es folgt Ihr Vorstellungsgespräch, das eine Chance und Prüfung zugleich ist. Wichtig ist, dass Sie Ihren Branchenwechsel bereits für sich akzeptiert und verinnerlicht haben, sodass Sie Fragen dazu nicht aus der Reserve locken.

Im Gespräch zeigen Sie, dass Ihre schriftlichen Ausführungen mit Ihren nun gemachten Aussagen übereinstimmen. Überzeugen Sie den Personaler, indem Sie Ihre Motive zum Wechsel mündlich darlegen und Ihre Lust, der Firma langfristig zu helfen, ausdrücken. Zeigen Sie sich interessiert und interessant, denn ein Vorstellungsgespräch soll trotz allen Drucks ein angenehmer Austausch sein.

Wie Sie eine gute Gesprächsatmosphäre schaffen und ein gutes Gespräch führen, erfahren Sie anhand dieser kurzen Checkliste:

  • Seien Sie vorbereitet.
  • Seien Sie, wie Sie sind.
  • Halten Sie Blickkontakt, ohne anzustarren.
  • Lassen Sie Ihr Gegenüber aussprechen.
  • Bleiben Sie ruhig.
  • Hören Sie aktiv zu und beziehen Sie sich direkt oder im Laufe des Gesprächs auf das Gesagte.
  • Bleiben Sie beim Thema. Schweifen Sie nur ab, wenn es zum Verständnis Ihrer Aussage beiträgt.
  • Lassen Sie Ihren Körper (durch Kopfnicken) und Gestik (offene Handflächen) so sprechen, dass er zu Ihrer Position als Redender oder Zuhörender passt.
  • Vergewissern Sie sich mit Rückfragen, ob Sie Dinge richtig verstanden haben. Fassen Sie ggf. Dinge zusammen. Damit zeigen Sie wirkliches Interesse und inwiefern Ihnen Dinge klar oder weniger klar sind. Sie müssen nicht alles sofort verstehen oder nachvollziehen.
  • Reden Sie Ihr Gegenüber nicht an die Wand. Ein Vorstellungsgespräch ist kein Sprint oder Rekordversuch. Sie möchten sich gegenseitig kennenlernen und sich von Ihrer jeweils besten Seite zeigen.
  • Machen Sie auch Pausen und lassen Sie Spielraum für Fragen bzw. „Menschliches“, damit das Gespräch natürlich verläuft.

Ihr Gesamtbild, also auch Ihr Outfit, spielt zweifelsohne eine wichtige Rolle. Kleiden Sie sich der Branche entsprechend. Wie das aussehen kann, haben Sie dank Ihrer vorherigen Branchenrecherche erfahren. Sie sollten sich aber wohl fühlen, in dem was Sie tragen und nicht verkleidet sein. Ihr Unbehagen würde Ihrem Gesprächspartner auffallen.

Erscheinen Sie pünktlich vor Ort, aber auch nicht eine halbe Stunde zu früh. Sonst könnten Sie den Personalverantwortlichen unter Druck setzen. Nutzen Sie auch Smalltalk, um eventuell die Atmosphäre aufzulockern, aber nur in geringen Dosen.

Das Gespräch beenden Sie mit einem selbstbewussten Handschlag und bedanken sich mit Blickkontakt beim Gegenüber.

Nach dem Bewerbungsgespräch

Formell ist das Bewerbungsgespräch vorbei und Sie verlassen den Raum hoffentlich mit einem guten Eindruck. Fragen, die Sie im Gespräch noch nicht gestellt haben, können Sie nun noch stellen, damit Sie erfahren, wie der weitere Verlauf aussieht, wann der Auswahlprozess beendet sein wird und mit einer Antwort zu rechnen ist. Fragen Sie interessiert und ruhig, aber nicht fordernd nach.

Erste Hürde genommen! Kurz auszuatmen und weiter bewerben

Nach der Freude über den positiven Verlauf des Gespräches sollten Sie sich auch recht schnell wieder erden. Warum? Sie haben noch keine Zusage erhalten oder einen Vertrag unterschrieben. Sie haben eine Etappe gemeistert, doch Ihre Bewerbungsphase läuft weiter. Bewerben Sie sich weiter und nehmen Sie neue Einladungen zu Vorstellungsgesprächen wahr. Damit lenken Sie Ihren Fokus auch weg vom Warten auf eine Zusage, bleiben weiter im „Bewerbungsmodus“ und erhöhen Ihre Chancen, einen ebenfalls für Sie passenden Job in der Wunschbranche zu finden. Etwas weiter tun, kann nie falsch sein, wenn der Weg klar ist. Alles auf eine Karte setzen, wäre dagegen unvernünftig.

Wenn Sie nach zwei Wochen noch nichts gehört haben, fragen Sie ruhig per E-Mail oder Telefon nach, um sich nach dem aktuellen Stand zu erkundigen. Seien Sie freundlich bei Ihrer Nachfrage, denn auch wenn Ihnen die Wartezeit lang erscheint, kann es im Unternehmen verzögernde Umstände geben, die Sie nicht kennen. In Ihrer E-Mail können Sie auch gerne noch mal „Danke“ sagen und etwas, das Sie vielleicht noch wurmt, weil es nicht zur Sprache kam oder unvorteilhaft ausgedrückt war, geradebiegen. Halten Sie sich, wie auch bei Ihrer Bewerbung, kurz und schweifen Sie nicht aus. In 2-3 Absätzen bringen Sie Ihre Dankesnachricht samt der Bitte um eine Antwort unter.

Es ist nicht verkehrt, wenn Sie beim Nachhaken auch erwähnen, dass Sie auch mit anderen interessierten Unternehmen in Kontakt stehen, Sie die Firma aber in Ihre endgültige Entscheidung miteinbeziehen möchten. Das ist ein kleiner psychologischer Trick, weil Sie so deutlich machen, dass Sie sich Ihres Marktwertes bewusst sind. Ein bisschen Druck nach mehrwöchiger Wartezeit ist dann völlig in Ordnung.

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