Unternehmergeschichten Teil 1: Die versteckte Kraft in der Krise

08.05.2018

Krisenzeiten zwingen uns, umzudenken. So unangenehm Krisen auch sein mögen: wenn wir darin Chancen für Weiterentwicklung entdecken, beinhalten sie viel Gutes. Häufig setzen Krisen neue, erfinderische Kräfte frei. Wie erfolgreiche Geschäftsideen in Krisenzeiten entstehen können, zeigt uns die Geschichte des Gründers Christoph Schnedlitz. Aus der eigenen Sinnkrise entstand die Idee seiner App hiMoment, einem digitalen Tagebuch, das Depressionen vorbeugen soll.

Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht aus zwei Teilen: Gefahr und Chance. Sie bezeichnet somit einen Wendepunkt oder Höhepunkt einer gefährlichen Lage, der uns aus gewohnten Mustern rausreißt und Veränderung herausfordert. Sie birgt also die Chance für einen positiven Neubeginn. Diese Erfahrung hat auch der Gründer Christoph Schnedlitz gemacht, der bereits früh mit dem Scheitern konfrontiert wurde.

App-Entwickler Christoph Schnedlitz

Nach seinem Managementstudium machte er Karriere, wurde Head of Finance bei der indischen Tochtergesellschaft einer österreichischen Firma und hatte mit 27 Jahren bereits Köche und Chauffeure. Doch das machte ihn nicht glücklich. Er begann über den Sinn des Lebens nachzudenken und nahm sich eine Auszeit in den Alpen. Dort las er viele Studien zum Thema Glück, angetrieben von der eigenen Suche nach seinem nächsten Lebensschritt. Schnedlitz‘ Erkenntnis: Glück ist kein Zufall: Glücklich sein ist trainierbar.

Er fand Indizien in der Forschung, dass das Entscheidungszentrum im Gehirn bei Menschen mit Depressionen eine wesentlich schwächere Aktivität zeigt. Mit simplen Entscheidungen könne man dieses Zentrum stimulieren. Diese Entdeckung bildet das Fundament seiner App. Nutzer sollen täglich die Frage “Was ist das Beste, was dir heute passiert ist?” beantworten. Am Ende der Woche zeigt die App zwei der eingetragenen Glücksmomente an, von denen sich der User für den besseren entscheiden soll. Durch die regelmäßige Nutzung richtet sich die Wahrnehmung automatisch auf das Gute im Leben.

 

Das ist die wichtigste Erkenntnis, die Christoph in dieser Zeit gemacht hat: Scheitern als etwas Positives zu begreifen.

Seine Sinnkrise führte ihn zu einer Geschäftsidee. Doch auch damit begann ein herausfordernder Lebensabschnitt. Als Gründer scheiterte er täglich an Dingen, die nicht so funktionierten, wie er sich das gedacht hatte. Und immer wieder stand er vor Aufgaben, die er nie glaubte, bewältigen zu können. Dabei lernte er, an festgesetzten Plänen loszulassen, Vertrauen in die eigenen Kräfte zu entwickeln und den Mut nicht zu verlieren, an einer von persönlicher Leidenschaft getriebenen Geschäftsidee festzuhalten.

Erst in Krisenzeiten entdecken wir unsere Problemlösungskompetenz. Christoph Schnedlitz‘ App hilft Menschen dabei, sich an persönliche Erfolge zu erinnern. Häufig vergessen wir gerade die kleinen Erfolge oder richten unser Augenmerk auf die Dinge, die nicht funktioniert haben. Ein tägliches Erfolgstagebuch hilft, in der nächsten Krise auf die positiven Erlebnisse zurückzublicken und wieder Vertrauen in unsere Kräfte zu gewinnen. Das Stichwort, warum manche Menschen Chancen in Krisensituationen erkennen und gestärkt daraus hervorgehen, währenddessen andere daran zerbrechen, lautet Resilienz.

Die Himoment-App

 

Resilienz ist die Fähigkeit, Scheitern in Produktivität umzuwandeln.

Sie umschreibt die seelische und psychische Widerstandskraft, um Tiefschläge und schwierige Lebensphasen zu meistern. Vom Lateinischen abgeleitet könnte man Resilienz als “inneres Immunsystem, um wieder auf die Beine zu kommen” bezeichnen.

Die glückliche Botschaft lautet: Auch das ist trainierbar. Forscher belegen, dass der Grundstein für Resilienz zwar im Kindesalter gelegt wird, Erwachsene jedoch aus der Erfahrung heraus zu der Überzeugung kommen, Probleme lösen zu können. Je häufiger wir Herausforderungen meistern, desto resilienter werden wir. Das Geschenk dieser Erkenntnis ist zum einen, dass das Älterwerden doch etwas Nützliches hervorbringt. Die zweite erfreuliche Botschaft lautet, dass nicht die coolen Überflieger-Macher-Typen automatisch resilienter sind. Im Gegenteil: Frauen, die Schwächen eher zugeben und nach Hilfe fragen, sind häufig resilienter als Männer.

 

Glücklich ist der, der sich entscheiden kann.

Kommen wir wieder zu Christoph Schnedlitz‘ App. Sie setzt mit ihrem “Flow”-Konzept die Erkenntnis um, dass Entscheidungen glücklich machen. Die Kombination aus Forschungsergebnisse der Psychologie und Neurowissenschaft mit künstlicher Intelligenz ist das besondere an hiMoment. Das Wiedererleben glücklicher Momente und den Prozess des Entscheidens, welche davon die glücklichsten waren, macht also doppelt glücklich. Der Ansatz „Share mit dir selbst anstatt mit anderen“ unterscheidet sich grundlegend von den Sharing-Konzepten à la Facebook und Instagram. In Krisenzeiten sind Erfolgsposts von Freunden oder Urlaubsfotos mit strahlenden Gesichtern wohl eher kontraproduktiv. Ein Blick nach innen stärkt mehr als jeder Vergleich. Letztendlich hat der proprietäre Algorithmus, der Nutzern im passenden Moment das schönste Glückserlebnis in Erinnerung ruft, die Investoren überzeugt. Als erste App, die Machine Learning einsetzt, ist sie anderen Apps, die mit Content arbeiten, einiges voraus. Dadurch, dass die notwendige Analyse ausschließlich maschinell erfolgt, bleiben die Daten der User verschlüsselt und anonymisiert.

Auf Datenschutz achtet Christoph Schnedlitz ebenso wie er auf Werbung verzichten möchte.

 

Investoren unterstützen seine ambitionierte Idee.

Die Pioneers Ventures, die Business Angels Markus Ertler und Hermann Futter sowie KaPa Ventures sind gemeinsam mit 250.000 Euro bei hiMoment eingestiegen. Schnedlitz nächstes Ziel ist es, die App auf 100.000 Nutzer zu bringen. Derzeit steht sie Android und iOS Usern gratis zur Verfügung. Da er zunächst nicht auf Cashflow, sondern Wachstum setzt, plant er ein Freemium-Geschäftsmodell. Kunden sollen zunächst durch kostenfreie Nutzung überzeugt werden, weitere Funktionen werden später als Premium-Features kostenpflichtig angeboten. Hierfür wären Übungen zur Steigerung des Selbstbewusstseins oder Motivationstrainings denkbar.

 

Es gibt unzählige Geschichten von Unternehmern, deren Geschäftsidee aus einer Krise entstanden.

Der 19-jährige Michael Dell wollte eigentlich Arzt werden, begann während des Studiums aber PCs zu verkaufen, um sein eigenes Geld zu verdienen. Joanne K. Rowling vollendete den ersten Teil der erfolgreichsten Romanreihe Harry Potter als alleinerziehende Mutter, während sie von Sozialhilfe lebte. Wenig Geld zwingt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Eine Kündigung birgt die Chance, sich in einem anderen Umfeld neu zu entdecken. Ein erfolgloser Bewerbungsprozess kann Ideen für ein eigenes Business herauskitzeln.

Es ist eine Frage des Mindsets, wie bestimmte Erlebnisse oder Situationen wahrgenommen werden. Wichtig ist, in Krisenzeiten nicht in einen passiven Zustand zu geraten. Bestimmte Lebensereignisse lassen sich besser mit Hilfe überwinden. Resiliente Menschen suchen sich diese aktiv und gehen damit den ersten, lösungsorientierten Schritt. Machen Sie sich bewusst, was Sie alles schon geschafft haben, was Ihnen Kraft gibt und was Ihr Selbstwertgefühl steigert, um wieder zu einem positiven Lebensgefühl zurückzufinden.

 

Machen Sie sich Ihr Potential bewusst!

Ein erfolgreicher Unternehmer hat das Potential, Chancen statt Probleme zu sehen. Achten Sie auf Ihre Wahrnehmung und Ihre Glaubenssätze, die Sie eventuell blockieren. Aus einem misslungenen Versuch können Sie statt dem negativen Glaubenssatz “War ja klar, dass ich das nicht schaffe.” zu manifestieren einen positiven Satz wie “Ok, dann probiere ich das beim nächsten Mal anders.” entgegensetzen. Die meisten erfolgreichen Menschen sind bei den ersten Versuchen gescheitert. Aber sie sind dem Prinzip "try and error" weiter gefolgt.

weitere Themen