Souverän die Branche wechseln - Teil 3: Die beliebtesten Branchen 2017

15.11.2017
Mit freundlichen Kollegen bei der Arbeit haben Sie in jeder Branche Spaß am gemeinsamen Schaffen Mit freundlichen Kollegen bei der Arbeit haben Sie in jeder Branche Spaß am gemeinsamen Schaffen

 

Als Branchenwechsler sind Sie auch ein Quereinsteiger. In dieser Position gehen Sie anders an die Jobsuche als beispielsweise jemand, der in derselben Branche wechselt. Sie müssen also umdenken und in der Bewerbungsphase mit mehr Erklärungen rechnen. Keine einfache Sache, weil sich sich auch viel mit sich selbst beschäftigen müssen. Zum Glück haben Sie diese Phase nun überstanden, also auch Ihre beruflichen Ängste überwunden (Schritt 1) und sich bereits in den ersten Jobinterviews überzeugend präsentiert (Schritt 2).

Weiter fleißig Gespräche führen und Zusagen filtern

Im dritten Schritt wollen Sie nun so viel wie möglich Vorstellungsgespräche führen, um sich dann aus der Menge an positiven Rückmeldungen (Zusagen) die für Sie besten Jobkandidaten aus Ihrer Wunschbranche herauszufiltern. Um Ihren Weitblick zu bewahren und auch alternative Branchen im Blick zu haben, finden Sie anschließend die aktuell beliebtesten Branchen in Deutschland in der Zeitarbeit und Gesamtwirtschaft. Außerdem erfahren Sie, welche Berufe gute Zukunftsperspektiven haben und einen zweiten Blick wert sind.

In welchen Branchen arbeiten Zeitarbeiter?

Laut Statistischem Bundesamt arbeitet jeder Vierte in einem handwerklichen und handwerklich verwandten Beruf. Damit ist das Handwerk die beliebteste Branche der deutschen Zeitarbeiter. Dicht gefolgt von Hilfsarbeitskräften, die mit 20 Prozent einen ebenfalls beträchtlichen Teil der Gesamtzeitarbeitskräfte in Deutschland ausmachen.

Dahinter liegen:

  • Platz 3: Anlagen- und Maschinenbediener sowie Montierer (14,6 %)
  • Platz 4: Bürokräfte und kaufmännische Angestellte (12,5 %)
  • Platz 5: Techniker und gleichrangige nichttechnische Berufe (10,9 %)

Außerdem unter jeweils 10 Prozent die akademischen Berufe, Dienstleistungsberufe und Verkäufer/-innen. Das Schlusslicht bilden Führungskräfte (1,3 %).

Weitere Branchen für den Branchenwechsel und Quereinstieg

Ein direkter Quereinstieg in eine neue Branche erfordert in den meisten Fällen die eine oder andere Form der Weiterbildung, die neben der mehrjährigen Berufserfahrung vorliegen sollte. Im Rahmen der laufenden Firmenrecherche sollten Sie herausfinden, inwiefern ein Unternehmen branchenwechselnde Quereinsteiger aufnehmen und mit speziellen Weiterbildungsangeboten oder Trainingsprogrammen versorgen. Es gibt auch staatliche geförderte Umschulungen bzw. Weiterbildungen von der Bundesagentur für Arbeit.

Seien Sie auch bereit, in eine selbst definierte Weiterbildung zu investieren, wenn Sie keine staatliche Unterstützung bekommen oder der Einstieg in die Wunschfirma der neuen Branche nicht ohne eine vorherige Weiterbildung klappen würde. Welchen Branchen es an Fachkräften mangelt, lesen Sie nachfolgend.

Als Computerfachmann in der IT-Branche

Vor 20 Jahren war der Einsteig in die IT-Branche noch sehr einfach ohne eine entsprechend absolvierte Ausbildung möglich. Inzwischen ist eine Berufsausbildung oder ein Studium nötig. Weil die Zahl der so ausgebildeten Fachkräfte aber nicht ausreicht, kommen Sie als Branchenwechsler ins Spiel.

Als Branchen-Neuling in der IT ist Weiterbildung Pflicht. Vor allem in der sich schnell ändernden Computerbranche wollen Sie auf dem neuesten technischen Stand sein und das für die tägliche Arbeit nötige Wissen erlernen. Ohne eigenen Antrieb und das Interesse, sich für die IT-Branche weiterzubilden zu wollen, werden Sie dort (und auch nirgendwo anders) wirklich glücklich.

Sozialer Bereich: Lehrer und Pfleger

Wie in der IT-Branche ist auch in sozialen Berufen ein Mangel an Fachkräften vorhanden. Lehrer werden gesucht sowie Erzieher und Altenpfleger, wobei sich alle drei Berufe gut für den Neueinstieg eignen.

Je nach Bundesland sind die Voraussetzungen für den Einstieg als Branchenwechsler unterschiedlich. Möchten Sie Lehrer werden, brauchen Sie neben mehrjähriger Berufserfahrung auf jeden Fall einen Hochschulabschluss. Vor allem mit einem absolvierten Studium in technischer, wirtschaftlicher oder kaufmännischer Ausrichtung haben Sie gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Ein Referendariat ist wegen Ihrer Berufserfahrung aber nicht mehr zwingend.

Den Weg zum Erzieher regelt ebenfalls jedes Bundesland in Eigenregie. Die dafür nötige Umschulung erfordert in den meisten Bundesländern einen Nachweis über pädagogische Vorkenntnisse, die Sie sich etwa in Praktika angeeignet haben.

In der Pflegebranche finden Sie vor allem aufgrund des demographischen Wandels einen zukunftssicheren Platz. Wegen des Bedarfs an zusätzlichen Alten- oder Krankenpflegern (sowie Fachkräften im Rettungsdienst) werden Weiterbildungen in diesem Bereich speziell gefördert. Rechnen Sie mit körperlicher und psychischer Belastung, die Sie bitte realistisch für sich selbst einschätzen.

Als Querstarter in die Medienbranche

Nach wie vor beliebt ist auch der Quereinstieg in die Medienbranche wegen der stark abwechslungsreichen und kreativen Aufgaben, die dort auf Sie warten würden. Mit viel praktischer Erfahrung haben Sie gute Karten, eingestellt zu werden. Aufgrund der Vielfältigkeit der Branche sollten Sie sich zunächst die für Sie denkbaren Berufe wählen. Sie haben hier Möglichkeiten im Bereich Marketing, Werbung und PR mit jeweils unterschiedlichen Anforderungen. Ein Studium kann den Quereinstieg in die Medien aber deutlich erleichtern. Stellen Sie sich auf darauf ein, dass (bezahlte) Praktika zu Beginn in dieser Branche gängig sind.

Internetbranche: Einstieg ins digitale „Neuland“

Dank des Internets haben Sie als technik- und medienaffiger Mensch viele Optionen, hier Fuß zu fassen. Ob als Social-Media-Manager, bei dem Sie auf diversen Plattformen mit Nutzern interagieren sowie viele Blogs lesen und selbst Artikel schreiben, oder als Software-Entwickler, der eher im Hintergrund arbeitet. Der Fachkräftebedarf ist auch hierbei steigend. Weiterbildungen für den Online-Bereich bietet unter anderem die Bundesagentur für Arbeit an.

Ihr Schritt in die Energieberatung oder Immobilienvermittlung

Die Energiewende schafft neben dem ehrgeizigen Ziel, den Energieverbrauch in Deutschland zu reduzieren, auch neue Berufsfelder, die Sie sich als Branchenwechsler zunutze machen können. Viele deutsche Haushalten haben viel ungenutztes Potenzial, um Energie zu sparen. Als ausgebildeter Energieberater decken Sie dieses auf und geben Ihren Kunden sinnvolle Maßnahmen fürs Energiesparen mit auf den Weg. Die Relevanz für das Thema ist hoch. Deswegen ist zu erwarten, dass die Nachfrage nach Energieberatern in Zukunft steigen wird. Die für die Ausübung nötige Weiterbildung ist beispielsweise für Schornsteinfeger, Anlagetechniker oder Baustoffhändler sinnvoll.

Ein ähnlich boomendes Thema ist die Immobilienbranche, auch dank der neuesten Entwicklungen im Crowdinvesting von Immobilien. Wenn Sie bereits eine verkäuferische oder stark kommunikative Tätigkeit ausgeübt haben, finden Sie als Immobilienmakler einen guten Platz in dieser Branche. Sie haben dabei naturgemäß viel mit Menschen zu tun und können vor allem mit guter Rhetorik und Überzeugungskraft glänzen.

Wo arbeiten deutsche Erwerbstätige?

Der aktuellen Arbeitnehmer-Umfrage vom Statistik-Portal „Statista“ zufolge sind dies die aktuell „beliebtesten Branchen bei Arbeitnehmern in Deutschland“:

  1. Autohersteller (49 %)
  2. Informatik-Consulting (48 %)
  3. Maschinenbau (44 %)
  4. Dienstleistung (36 %)
  5. Medien (34 %)
  6. Transport/Logistik (32 %)
  7. Finance (27 %)
  8. Bau/Baustoffe (23 %)
  9. Lebensmittelhandel (21 %)

Die offiziellen Zahlen des Statistisches Bundesamt zeigen, dass von aktuell 44 Mio. Erwerbstätigen in Deutschland beinahe die Hälfte (21 Mio.) in den zusammengefassten Wirtschaftsbereichen des produzierendes Gewerbes, Handels, Gastgewerbes und Verkehrs sowie der Information und Kommunikation tätig sind. Die andere Hälfte verteilt sich auf die Land- und Forstwirtschaft, Fischerei und „sonstige öffentliche und private Dienstleistungen“.

Die uns gemäß Statischem Bundesamt bekannten Zahlen für die einzelnen Wirtschaftsbereiche lauten:

  • Dienst­leistungen (9.2 Mio.)
    — Verkehr und Lagerei: 2.2
    — Infor­mation und Kommu­ni­kation: 1.2
    — Frei­berufliche und tech­nische Dienst­leistungen: 2.5
    — Sonstige wirt­schaft­liche Dienst­leistungen: 3.3
  • In­dus­trie, Ver­ar­bei­ten­des Ge­wer­be (7.2 Mio.)
  • Binnen­handel, Gast­gewerbe, Tourismus (6.4 Mio.)
  • Bauen (2.2 Mio.)
  • Land- und Forstwirtschaft; Fischerei (0.9 Mio.)

Für die Bereiche Energie sowie Transport & Verkehr lagen uns keine Zahlen vor.

Es bleibt festzuhalten, dass statistisch gesehen die Dienstleistungsbranche sowie der Handel, die Industrie und das verarbeitende Gewerbe die beliebtesten Wirtschaftsbereiche ausmachen.

Ihr neuer Job in der Wunschbranche!

Mit dem Branchenüberblick im Visier können Sie nun noch selbstbewusster den letzten Abschnitt Ihrer Bewerbungsphase fortsetzen. Sie haben hoffentlich viele Jobinterviews geführt und noch ein paar Zusagen erhalten. Die vielversprechendsten Jobkandidaten, für die Sie eine Zusage bekamen, listen Sie nun auf und lassen Sie erst einmal auf sich wirken. Ruhig 1-2 Tage.

Erstellen Sie nun für jeden Kandidaten eine Pro-Kontra-Liste mit eher objektiven Punkten. Auch diese lassen Sie bitte auf sich wirken und nehmen sich ein paar Minuten Bedenkzeit. Anschließend stellen Sie sich vor, wie es wäre, diesem Job nachzugehen. Finden Sie es denkbar, dieser Position nachzugehen und die damit verbundenen Tätigkeiten zu tun? Achten Sie auf Ihr Bauchgefühl. Wenn Ihr Bauch „Ja“ sagt, aber Ihre Kontra-Punkte überwiegen („Nein“ sagen), legen Sie diesen Kandidaten zunächst als „Vielleicht“ beiseite. Gibt es Kandidaten mit zweimal „Nein“, lehnen Sie diese gänzlich ab. Kandidaten, für die Sie ein „Ja“ im Bauch spüren und deren Pro-Punkte überwiegen, lassen Sie nun gegeneinander antreten, auch den „Vielleicht“-Kandidaten. Dort wo Ihre inneren Schwingungen am größten sind und Ihre Vorfreude, dort zu arbeiten, im Vergleich zu den Bedenken überwiegt, sagen sie zu!

Vertagen Sie diese Entscheidung nicht, besonders dann, wenn ein Unternehmen eine Frist für Ihre mögliche Zusage vorgegeben hat. Halten Sie diese ein, das ist nur fair der Firma gegenüber.

Wie auch immer Ihr Job in der neuen Branche aussieht, am Ende sollten Sie dort Ihre beste Arbeit tun können und wollen. Das können Sie nur, wenn Sie in einem Job sind, der Sie glücklich macht und zu Ihnen passt. Mit einem Branchenwechsel haben Sie einen wichtigen Schritt zu dieser Jobzufriedenheit gemacht. Sie können stolz auf sich sein. Dennoch wissen Sie, dass nichts ewig hält. Insofern ist nach dem Wechsel vor dem Wechsel. Als Branchenneuling oder Kenner? Sie kennen die Antwort.

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