Neues aus der Zeitarbeit 01/2021

24.03.2021

Beginnen wir unseren Report aus der Reihe “Neues aus der Zeitarbeit” für das erste Quartal aus 2021 doch mit einem kleinen Zahlen-Exkurs.

So meldete das Statistische Amt der Bundesagentur für Arbeit für den Dezember 2020 646.000 Arbeitnehmer in der Zeitarbeit. Im Vergleich zum Vorjahr handelt es sich hierbei um eine Differenz von ca. 30.000 Arbeitnehmern weniger, also rund 4,4%.

Leiharbeitnehmer waren und sind besonders gefährdet in der Coronakrise. Meistens fällt eher die Wahl auf den Wegfall des Arbeitsplatzes eines Zeitarbeitnehmers als dem eines Stammmitarbeiters.  

Da die aktuelle Situation um Covid-19 auch weiterhin anhält, wird das Kurzarbeitergeld für die Zeitarbeit bis zum 31. Dezember 2021 verlängert. Das gilt für Zeitarbeitsunternehmen, welche bis zum 30. Juni 2021 Kurzarbeitergeld beantragen. 

Tarifverhandlungen für deutsche Fleischwirtschaft

Vergangenes Jahr stand die deutsche Fleischwirtschaft stark in der Diskussion. Sie erinnern sich vielleicht an den sogenannten Tönnies-Skandal, als durch einen Corona-Ausbruch beim Fleischproduzenten Tönnies ein weiteres Mal auf die schlechten Arbeitsbedingungen und den fehlenden Arbeitsschutz aufmerksam gemacht wurde. Dabei ging es neben den Bedingungen für die Arbeitnehmer auch um die Umstände der Tiere.

Die neuen Regelungen sollen sicherstellen, dass die Verantwortung für die Missstände nun nicht mehr von den Schlachthof-Betreibern auf Subunternehmer abgewälzt werden können.

Diesbezüglich haben die Fleischwirtschaft und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) vereinbart, dass die Verhandlungen zum Abschluss von Tarifverträgen am 11. März beginnen sollten.

Inhaltlich soll es dabei in mehreren Schritten um die tarifliche Regelungen von Entgelten und Arbeitsbedingungen gehen. 

Es geht dabei um mehr als 160.000 Beschäftigte.

Die NGG-Tarifkommission hat folgende Forderungen für einen Mindestlohntarifvertrag beschlossen:

  • Mindestlohn von 12,50€ pro Stunde für alle Beschäftigten in der Schlachtung und Verarbeitung (einschließlich Geflügel)
  • Erhöhung des Mindestlohns auf 14€ pro Stunde nach kurzer Einarbeitungszeit
  • Mindestlohn von 17€ pro Stunde für Facharbeiter

In einem weiteren Tarifvertrag sollen Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit, Urlaub, Zuschläge und Arbeitszeitkonten geregelt werden.

All diese Tarifverträge gelten ab diesem Zeitpunkt als allgemeinverbindlich, für alle Beschäftigten in der Fleischwirtschaft unmittelbar und zwingend. 

Die ganze Branche könnte so neu geordnet werden, und die Regelungen würden für alle Arbeitgeber in der Branche gleich gelten, unabhängig ob tarifgebunden oder nicht.

Die Tarifverträge hätten auch Auswirkungen auf die Zeitarbeit, da diese ab dem 1. April 2021 erstmals unter eingeschränkten Bedingungen in der Fleischverarbeitung zulässig ist. 

Zuerst war angedacht, dass bei der Schlachtung, Zerlegung und der Fleischverarbeitung Großbetriebe ausschließlich eigene Arbeitnehmer einsetzen dürfen, und Verstöße auch mit Bußgeldern geahndet werden würden.

Neue Metall-Tarifverhandlung

Im März wurden außerdem die Tarifverhandlungen zwischen den Arbeitgebern der Metall- und Elektroindustrie und der Gewerkschaft IG Metall weiter aufgenommen. Noch lagen die Positionen weit auseinander: Die IG Metall fordert noch dieses Jahr 4% mehr Gehalt für rund 3,8 Mio. Beschäftigte in der Branche, während die Arbeitgeber Lohnerhöhungen frühestens für 2022 in Aussicht stellen.

Am 15. März ging es also in die fünfte Verhandlungsrunde, welche vonseiten der Gewerkschaft von Warnstreiks begleitet wurden, um die Arbeitgeber weiter unter Druck zu setzen.

Die neue Tariftabelle Zeitarbeit

Ab dem 01.04.2021 steigen die Löhne erneut für rund 750.000 beschäftigte Leiharbeitnehmer, erstmals wird es dabei auch eine vollständige Anpassung der Löhne in Ost und West geben. 

Dazu werden wir ausführlicher im nächsten Beitrag für das 2. Quartal “Neues aus der Zeitarbeit” berichten.

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