Warum Ihr Ego der Karriere im Weg steht

25.09.2017
Sie haben nur sich im Blick, wenn das Ego dominiert Sie haben nur sich im Blick, nn nn das Ego dominiert

Ein „großes Ego“ bedeutet umgangssprachlich, dass jemand sich für wichtiger nimmt als er (oder sie) eigentlich ist. Wenn Sie an sich feststellen, dass Sie zur Arroganz neigen, mit konstruktiver Kritik nicht umgehen können sowie besser, schneller und mehr angesehen sein wollen als andere Menschen, ohne dass ein vernünftiger Beweggrund dahintersteckt, spielt das Ego Ihnen einen Streich.

Von gesundem Selbstvertrauen zu krankhafter Arroganz

Im „Ego-Modus“ fühlen Sie sich mit großer Gewissheit anderen überlegen und sprengen die Grenzen von Selbstsicherheit und Talent. Dann wird Ihr Vertrauen in sich selbst zu Arroganz, Rechthaberei zu Sturheit und überzeugtes Selbstbewusstsein zu rücksichtsloser Unbekümmertheit, wie Ryan Holiday in seinem Buch „Dein Ego ist dein Feind“ den US-amerikanischen Footballtrainer Bill Walsh zitierend anmerkt. Von sich überzeugt zu sein, ist gut. Zu sehr von sich überzeugt zu sein, ist zu viel des Guten. Doch wann übernimmt Ihr Ego die Oberhand? Wann wird Selbstvertrauen zu Arroganz?

Arroganz vs. Selbstvertrauen

Selbstvertrauen bedeutet u. a., dass Sie in der Lage sind, eine Position einzunehmen, die alle Fakten und Meinungen der Beteiligten einer Sachlage berücksichtigt. Sie haben dadurch den Blick für das große Ganze, das teilweise abstrakt sein kann. Das macht Sie aber nicht zum abgehobenen Visionär: Sie schweben nicht über den Dingen, weil Sie gleichzeitig den persönlichen Kontakt zu Kollegen zu schätzen wissen. Aus diesem Grund setzen Sie sich für Ihre Kollegen ein, bauen sie in schweren Zeiten auf helfen, wo es Ihnen möglich ist. Sie nutzen Ihr Selbstvertrauen als innere Überzeugung, Gutes für Andere tun zu können.

Sind Sie hingegen arrogant, bauen Sie nur sich selbst auf und tun nur das, was Ihnen weiterhilft. Deshalb bedeutet Arroganz, eine Position einzunehmen, die nur jene Fakten und Meinungen berücksichtigt, die bestimmte Kriterien erfüllt, also Ihnen zuträglich ist. Das kennen Sie auch als Tunnelblick, also eine Einschränkung des Sichtfeldes. Nicht durch Zufälle erleben Sie dies auch unter dem Einfluss von Alkohol. Im alkoholisierten Zustand sind Sie stark mit sich selbst beschäftigt und schotten sich zeitweise von allem und jedem ab. Was Sie anfangs zum Erfolg geführt hat, macht Sie (ohne einen funktionierenden Selbstcheck) betrunken vor Egomanie und im schlimmsten Fall zu einem kranken Menschen, der aber nicht erkennt, woher sein Leiden kommt - obwohl die Antwort so naheliegt.

Mit Bescheidenheit nach mehr streben

Ihr Tun steht im Vordergrund, weil Ihre Erfolge nur darauf basieren, was Sie wirklich geleistet haben. Das ist gesund und wirklich einfach nachzuvollziehen. Ein 100-Meter-Läufer hat sich den ersten Platz dann verdient, wenn er zuerst die Ziellinie überquerte. Der Glaube an sich selbst rührt dann aus wirklichen Errungenschaften, die durch Fleiß, Schweiß, Bescheidenheit und die Kenntnis der eigenen Fähigkeiten zur Realität wurden. Ein egoistischer Mensch würde sich stattdessen die Realität zurechtrücken. Sein Glaube an sich selbst würde auf dem Ego basieren, das praktisch gesehen leer ist. Das Ego ist ein aufgeblasenes Nichts - so wie ein industriell gefertigtes Frühstücksbrötchen, das zwar nach viel aussieht, aber leicht wie eine Feder ist, weil ein reichhaltiger (Teig) fehlt. Also außen hui, innen pfui.

Wenn Sie denken, Sie wüssten schon alles, hören Sie auf zu lernen

Ihr Ego genießt Komfort. Es flüstert Ihnen zu, dass alles richtig sei, wie es ist, Sie bereits alles Nötige wüssten und dort, wo Sie in Ihrer Karriere stehen, genau richtig seien. Doch Vorsicht: Wenn Sie so denken, rollt die Achterbahn bereits nach unten.

Nicht als Belohnung für Ihren Aufstieg, sondern als Reaktion auf Ihren Übermut, den Ihnen der nächste Looping austreiben wird. Das nachfolgende Wachrütteln können Sie vermeiden, indem Sie Ihre Aufwärtsfahrt mit greifbaren Erfolgen kontinuierlich fortsetzen.

Mit Disziplin immer dazulernen wollen, wie ein blutiger Anfänger Mit Disziplin immer dazulernen wollen, wie ein blutiger Anfänger

Der Kampfsportler Frank Shamrock brachte seinen Lehrlingen ein System bei, das deren Egos unter Kontrolle brachte und zu großartigen Kämpfern machte. Jeder Lehrling suchte sich drei Kämpfer aus: einen, der besser ist, von dem er also lernen kann, ein zweiter auf einen niedrigeren Level, dem er etwas beibringen kann und ein dritter auf seinem Level, mit dem er sich messen kann. Anhand solcher „Sparringspartner“ erkennen Sie, woran Sie täglich noch arbeiten müssen, was Sie bereits wissen und wo Sie hinwollen. Für Egosachen haben Sie dann einfach keine Zeit. Sie beschäftigen sich mit der Sache statt mit dem Ruhm, den das Ego Ihnen auszukosten weismachen will. Wenn Sie also meinen, alles schon zu wissen, stehen Sie tatsächlich in einem dunklen Raum ohne Fenster und sehen nicht die Türklinke hinter Ihnen. Zu welcher Person Sie ohne Rundumblick in dieser pechfinsteren Umgebung werden, können Sie sich denken.

Ein liebenswürdiger Mensch sein trotz Erfolg

Gesammeltes Wissen, Erfahrung und Ansichten, deren Nachklang sich wie in einer Echokammer wechselseitig bestärken, können Ihr Ego gefährlich aufplustern. Dieser Gefahr sind Sie ständig ausgesetzt. Auch wenn das Ego vor allem zu Beginn Ihr innerer Motor ist, der auf Höchstleistung läuft, geht ihm früher oder später der Saft aus. Das werden Sie nachvollziehen können. Aber was treibt Sie nach vorn, wenn das Ego außer Puste ist? Es sind die Überzeugungen und Werte, für die Sie stehen. Weil das Ego selbst Nichts ist, brauchen Sie Tugenden, die Substanz haben. Erinnern Sie sich: Ihr Erfolg ist nur dann beständig, wenn Sie sich vom anfänglichen Egoschwung nicht beschwipsen lassen und nicht ins toxische Taumeln verfallen, sondern ein nüchternes, beständiges und unerschütterliches Tun an den Tag zu legen. Diese Tüchtigkeit zähmt das Ego - genau wie die Fähigkeit, immer wieder von vorne beginnen zu können.

Ohne Ego sind Sie ein unschuldiger Anfänger

Sie beobachten und hören zu. Deshalb lernen Sie, ganz unvoreingenommen und zurückhaltend. Sie saugen auf, was Sie mitbekommen und tauchen tief in das jeweilige Thema ein. Dabei werden Sie, wie bei Beginnern üblich, Unbehagen spüren.

Aller Anfang ist schwer, aber frei von Ego Aller Anfang ist schwer, aber frei von Ego

Wenn Sie im Weiterbildungskurs Französisch lernen und zum ersten Mal ein französisches Gedicht vor versammelter Mannschaft vortragen, sind Sie ganz sicher nervös und vor allem darauf bedacht, alles richtig zu machen. Ihr Ego spielt in dieser Phase nahezu keine Rolle. Vielleicht werden Sie etwas rot im Gesicht, bekommen schwitzige Hände und verhaspeln sich am Anfang. Das kann alles passieren, ist aber Ihrer Bildung zuträglich, wenn Sie sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen lassen. Würde es Ihnen hingegen zu Kopf steigen, wäre Ihr Ego wieder im Spiel. Deshalb: Bleiben Sie im endlosen Lernmodus - wie ein Schwamm, der alles aufsaugt, nicht wie eine Ego-Mauer, die alles abblockt.

Widerstandsfähig sein in Niederlagen

Ihr Tun wird nicht immer von Erfolg gekrönt sein. In den meisten Fällen werden Sie das gewünschte Ergebnis nicht erzielen. Mit Niederlagen müssen Sie umgehen können. Das wird Ihrem Ego nicht schmecken, genau wie die an sich gesunde und bescheidene Einstellung, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Auch im Moment des Erfolgs wird Ihr Ego eine Niederlage sehen, wenn beim Gratulieren Ihr Name nicht direkt erwähnt wird. Ob in Stein gemeißelt oder in die Medaille eingraviert, nur der Teamname wird zu sehen sein. Bei aller (auch nachvollziehbarer) Frustration über die fehlende namentliche Nennung machen Sie dann am besten auf sich aufmerksam, wenn Sie nicht das „bockige Kind“ spielen, sondern mit stolzer Brust deutlich machen, für das Team gespielt zu haben. Dann wird man sich eher an Ihren Namen erinnern (wollen).

Das richtige Tun ist genug

Sie haben geringen Einfluss darauf, was nach der vollbrachten Arbeit passiert. Werden Sie mit Anerkennung belohnt, mit Nichtbeachtung bestraft oder mit Kritik überhäuft? Bis die Arbeit ist, werden Sie es nicht wissen. Konzentrieren Sie sich deshalb darauf, was in Ihrer Macht liegt: Gute Arbeit machen und Ihre eigenen Qualitätsstandards als Maß nehmen. Schenken Sie dem Ergebnis keine Beachtung. Wenn Sie sich große Mühe geben und Ihren Standards treu bleiben, haben Sie nichts zu befürchten. Ein gutes oder schlechtes Ergebnis und die daraus folgenden Konsequenzen sind nicht mehr Teil Ihrer Arbeit. Wenn Sie das Richtige tun, nach besten Wissen und Gewissen, haben Sie sich nichts vorzuwerfen und können aber auch nichts erwarten - keine Anerkennung, keine Bonuszahlung, kein gutes Zureden. Nur gute Arbeit nach Ihren eigenen Ansprüchen und fertig. Damit Sie durchhalten, machen Sie sich den Zweck Ihres Tuns bewusst, bewahren Sie Haltung und seien geduldig.

Wie weit Sie gehen, bestimmen Ihre Standards, nicht Ihr Ego Wie weit Sie gehen, bestimmen Ihre Standards, nicht Ihr Ego

Sie kämpfen immer an zwei Fronten. Ihr Ego wird ohne Ihr Zutun immer wieder auftauchen, wie Staub auf dem Fernseher. Ihr Job ist nun, das Ego wegzuputzen und dank Selbstcheck zu zähmen. Das ist allerhand Arbeit, aber noch nicht genug, denn um dauerhaft ego-reduziert zu leben, kommen Sie an neuen Herausforderungen nicht vorbei. Als Dauerlernender wollen Sie immer wieder ein Amateur sein, zum Profi aufsteigen und dann wieder von vorne beginnen. Dieser Doppeldruck - vom inneren Ego, das sich reinschleicht, und Ihrer äußeren Standards, an denen Sie sich kontinuierlich messen - wird Sie immer wieder von Neuem zu hervorragender Arbeit führen.

Die Belohnung?

Die Gewissheit, alles gegeben zu haben.

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