Arbeitnehmerrechte – eine Übersicht

29.10.2018

Viele Arbeitnehmer sind sich nicht bewusst, welche Rechte ihnen im Arbeitsalltag zustehen. Doch wer nicht weiß, was ihm zusteht, kann dies auch nicht wahrnehmen. Deswegen informieren wir Sie in diesem Artikel über Ihre generellen Rechte als Arbeitnehmer. Dabei können wir natürlich keine Rechtsberatung ersetzen aber Ihnen Denkanstöße geben, sich näher mit Ihren Rechten auseinanderzusetzen.

 

Arbeitsvertrag

Der Arbeitsvertrag regelt das Arbeitsverhältnis und die Rechte von Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Es besteht jedoch kein rechtlicher Anspruch auf einen schriftlichen Vertrag, da mündliche Absprachen auch rechtlich geltend sind, selbst wenn man sie nicht nachweisen kann.

Dennoch muss ein Arbeitnehmer innerhalb eines Monats eine unterschriebene Verschriftlichung der Vertragsbedingungen erhalten, in welcher Gehalt, Arbeitszeiten, Kündigungsfristen etc. aufgeführt sind.

Überstunden

Sie sind nur dann zu Überstunden verpflichtet, wenn dies so in Ihrem Arbeitsvertrag bzw. im gültigen Tarifvertrag geregelt ist. Ohne eine entsprechende Regelung dürfen Sie Überstunden ablehnen. Nur in Extremfällen müssen Sie unabhängig von Ihrem Vertrag dennoch nach Dienstschluss weiterarbeiten, z.B wenn  aufgrund einer Naturkatastrophe der Arbeitsalltag beeinträchtigt wurde.

Geregelt ist zudem, dass über ein halbes Jahr gesehen im Durchschnitt nicht mehr als 48 Stunden in der Woche gearbeitet werden darf.

Wenn der Arbeitgeber sich übrigens nicht daran hält, dann handelt es sich um eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 15.000 Euro bestraft werden kann. Im schlimmsten Fall kann es sogar zu einer Haftstrafe führen, etwa wenn der Chef durch die Mehrarbeit die Gesundheit der Arbeitskraft gefährdet.

Und noch was: ein Arbeitgeber ist dazu verpflichtet das Arbeitszeitgesetz auszuhändigen oder auszulegen. Die entsprechenden Paragraphen:  § 3 (Arbeitszeit), § 14 (Ausnahmen), § 16 (Aushang), § 22 (Bußgeld), § 23 (Straftaten).

Personalgespräch

In einem Personalgespräch muss es immer um Themen gehen, die das Arbeitsverhältnis betreffen. Selbstverständlich dürfen Probleme und Konflikte im Job besprochen werden, sowie Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven. Persönliche Themen müssen jedoch nicht besprochen werden, z.B ob Motivationsprobleme im Job mit einem persönlichen Problem wie einer Scheidung zusammenhängen.

Der Arbeitnehmer darf sich auch im Vorhinein darüber informieren, worüber es in einem Personalgespräch gehen wird.

Persönliche Daten

Welche persönliche Daten darf ein Arbeitgeber von seinem Mitarbeiter erheben? Die Anschrift darf er erfragen, schon allein weil sie nötig ist um den Arbeitsvertrag aufzusetzen.

Weitere private Kontaktmöglichkeiten wie die private Telefonnummer und E-Mail-Adresse müssen jedoch nicht preisgegeben werden.

Im Fall einer Rufbereitschaft ist der Arbeitnehmer jedoch verpflichtet seine Telefonnummer anzugeben, wenn er über keinen dienstlichen Anschluss verfügt.

 

Urlaubsanspruch

Der Anspruch auf bezahlten Urlaub ist in Deutschland gesetzlich geregelt und liegt bei mindestens vier Wochen im Jahr.  Wer sechs Tage die Woche arbeitet, bekommt damit mindestens 24 Tage, bei fünf Arbeitstagen sind es 20 Tage.

Wer in Teilzeit 3 Tage die Woche arbeitet hat Anspruch auf 12 Tage Jahresurlaub.

Allerdings können im Arbeitsvertrag längere Urlaubszeiten ausgehandelt werden.

Arbeitnehmer mit Behinderung haben Anspruch auf fünf zusätzliche Urlaubstage. Darüber hinaus gibt es ein Recht auf Sonderurlaub im Falle von besonderen Ereignissen wie die eigene Hochzeit oder ein Todesfall einer nahestehenden Person.

Wer jünger als 18 Jahre ist, hat übrigens im Rahmen des Jugendarbeitsschutzgesetzes Anspruch auf mehr Urlaub. Bis 16 Jahre sind das 30 Werktage, bis 17 Jahre sind es 27 Werktage und bis 18 Jahre sind es 25 Werktage.

Wann darf Urlaub genommen werden?

Bei Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses gibt es eine gesetzlich geregelte Wartezeit von 6 Monaten bevor der Urlaub in vollem Maße beansprucht werden darf. Wer früher Urlaub nehmen will, darf nur einen Teil beanspruchen.

Leider hat man kein Recht darauf den Urlaub dann zu nehmen wann man will, da dies zu Konflikten mit dem betrieblichen Erfolg kommen könnte. Zur Sommerzeit haben beispielsweise Familien mit Kindern unter 14 Jahren Vorrang, während anderen Arbeitnehmern der Urlaub zu diesem Zeitpunkt verwehrt werden darf.

Kündigung

Sobald man als Arbeitnehmer sechs Monate in einem Betrieb mit mindestens zehn Mitarbeitern angestellt ist, untersteht man dem Kündigungsschutz. Dann kann einem nur aus besonderen Gründen gekündigt werden, etwa wenn es wirtschaftlich nicht anders möglich ist.

Während der Probezeit darf einem auch grundlos gekündigt werden und mit geringeren Ankündigungsfrist. Zwar ist man immer noch vom Gleichbehandlungsgesetz geschützt, aber wenn eine Kündigung z. B aufgrund der eigenen Religion erfolgt, so kann dies kaum nachgewiesen werden.

Abmahnung

Wer sich aus der Sicht des Arbeitgebers etwas hat zuschulden kommen lassen, kann eine Abmahnung erhalten. Dies ist ein Schriftstück in welchem man für den begangenen Fehler verwarnt wird und aufgefordert wird es in Zukunft besser zu machen.

Als Arbeitnehmer haben Sie allerdings das Recht eine Gegendarstellung einzureichen, welche zur Personalakte hinzugefügt wird.

Krankheit

Ganz wichtig: der Arbeitnehmer muss seinem Chef vor Dienstbeginn auf einen krankheitsbedingten Ausfall hinweisen. Wer wiederholt krankheitsbedingt fehlt und dies nicht rechtzeitig ankündigt, muss sogar mit einer Kündigung rechnen.

Ab einem Ausfall von drei Kalendertagen muss dem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorgelegt werden. Inzwischen gab es allerdings schon ein Urteil nachdem das Attest sogar schon ab einem Tag eingereicht werden muss.

Auf eine Entgeldfortzahlung haben Arbeitnehmer Anspruch solange das Arbeitsverhältnis mindestens seit vier Wochen besteht. Bis zu sechs Wochen lang bekommen Sie das Gehalt weiterhin bezahlt, danach zahlt die Krankenkasse ein Krankengeld, das 70 Prozent des Gehalts entspricht. Das Krankengeld wird für maximal eineinhalb Jahre gezahlt.

Und hier noch ein Tipp: Wenn Sie im Urlaub krank werden, dann unbedingt einen Attest holen! So werden ihnen die Urlaubstage nämlich nicht angerechnet; denn: Wer krank ist, der ist auch nicht urlaubsfähig.

Das war unsere Übersicht zum Thema Arbeitnehmerrechte. In unserem Blog befinden sich noch viele weitere interessante Artikel rund ums Thema Karriere. Schauen Sie vorbei!

weitere Themen